Die schweren Hochwasserereignisse, die in den letzten Wochen große Teile Europas heimgesucht haben, haben auch in Österreich erhebliche Auswirkungen auf den Güterbahnverkehr. Insbesondere die Weststrecke durch das Tullnerfeld musste für längere Zeit gesperrt werden, was für die ÖBB massive finanzielle Verluste mit sich bringt. Laut Clemens Först, dem Chef der Rail Cargo Gruppe, wird der Schaden im zweistelligen Millionenbereich liegen. Obwohl dieser Betrag erheblich ist, wird er als „nennenswert“, jedoch im „niedrigen zweistelligen Millionenbereich“ beschrieben. Die Güterbahn konnte jedoch dennoch ihre Dienstleistungen aufrechterhalten und hat auf alternative Routen zurückgegriffen.
„Das wird die Bilanz verregnen“, kommentierte Först die Situation. Dies könnte sich zwar negativ auf die Bilanz auswirken, jedoch nicht in dem Maße, wie es bei der Infrastruktur-Tochter der ÖBB der Fall sein könnte. Ein Lichtblick gibt es in der Tatsache, dass man durch Umplanungen und die Nutzung der alten West-Trasse in der Lage ist, zwischen 85 und 100 Prozent der normalen Gütermengen zu transportieren. Die geplante Wiedereröffnung der Tullnerfeldstrecke am 15. Dezember wird die Situation weiter verbessern.
Internationale Auswirkungen und Anpassungen
Auch außerhalb Österreichs hat das Hochwasser die Transportketten beeinträchtigt. Länder wie Polen, Tschechien, Slowenien, Italien und Rumänien waren ebenfalls betroffen. Um den Transport von Haushaltsgeräten aus der Türkei nach Deutschland zu gewährleisten, musste die Rail Cargo Routen weitreichend umstellen. Dies führte dazu, dass wir die Lieferketten komplett neu gestalteten.
Ein Beispiel ist die Abholung von Treibstoffen nicht mehr aus der Raffinerie in Schwechat, sondern aus Burghausen in Deutschland. Damit der Zuckerhersteller Agrana in Tulln weiterhin seine Rüben verarbeiten konnte, wurden Güterzüge über eine Umleitung von der gegenüberliegenden Donauseite nach Krems geleitet. Für die höheren Kosten der Umleitungen wird derzeit mit den Kunden verhandelt. Först betonte, dass die Umstellung auf Diesellokomotiven für bis zu 20 Euro pro umgeleitetem Kilometer kosten kann.
Blick in die Zukunft
In den kommenden Jahren stehen der Rail Cargo Gruppe aufregende, jedoch herausfordernde Zeiten bevor. Geplant sind umfangreiche Umleitungen auf großen Korridorrouten, besonders in den Verkehren über Deutschland. Forscher betonten, dass der Bau der Hochleistungskorridore 2026 beginnen wird, was die Verkehrswege temporär beeinflussen könnte. Im Vergleich zu einem Jahrhunderthochwasser in Niederösterreich soll diese Herausforderung jedoch besser planbar sein.
Das aktuelle konjunkturelle Umfeld bleibt für die Güterbahn, die zweitgrößte in Europa, angespannt. Im letzten Jahr flossen insgesamt etwa 131 Millionen Euro an öffentlichen Leistungen in das System. Die Rail Cargo hat gerade erst begonnen, auf Transporeon, einer wichtigen Buchungsplattform in der Lkw-Logistik, aktiv zu werden, was einen bedeutenden Schritt in die Straßenlogistik darstellt. Först erklärte, dass die Bahn in der Lage sein muss, ein wachsendes Volumen an Gütern besser abzudecken, insbesondere mit Blick auf Fertigprodukte, Container und Lebensmittel. Hierzu ist der Einsatz von Lkw-Shuttles nötig, die die Verbindung zum Gleis herstellen.
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