Am 26. Jänner 2026 wurde Thomas Klestil zum neuen medizinischen Geschäftsführer der tirol kliniken ernannt. Klestil, der seine Karriere 1989 als junger Mediziner in Tirol begann, kehrt nach einer 17-jährigen Tätigkeit in Niederösterreich und der Rolle als stellvertretender Vorstand der Innsbrucker Universitätsklinik für Unfallchirurgie zurück. Er folgt auf Christian Haring, der in den Ruhestand geht. Klestil wird von Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele unterstützt, die seine Bestellung als großen Gewinn für die medizinische Expertise und Management-Fähigkeiten des Krankenhauses bezeichnet.

Klestil plant, den Fokus auf den Ausbau der tagesklinischen Leistungen zu legen und sieht großes Potenzial, stationäre Leistungen tagesklinisch durchzuführen. Dies entspricht dem Wunsch vieler Patienten, die oft lieber nach Hause gehen, anstatt eine Nacht im Krankenhaus zu verbringen. Zudem spricht sich Klestil gegen Spitalsschließungen in Tirol aus und hält die aktuelle Spitalslandschaft für ausgewogen und gut aufgestellt.

Stärkung der Primärversorgung und KI-Entwicklung

Ein zentraler Punkt in Klestils Strategie ist, Doppelgleisigkeiten zu vermeiden und die Primärversorgungseinheiten (PVE) zu stärken, um die Ambulanzen zu entlasten. Dabei wird er die Einführung einer umstrittenen Ambulanzgebühr als politisch entscheidbar betrachten. Besondere Hoffnungen setzt Klestil auf die Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI), die im Gesundheitswesen zunehmend an Bedeutung gewinnen. KI wird als transformative Kraft angesehen, die nicht nur die Ressourcenzuweisung optimieren, sondern auch eine frühzeitige Erkennung von Krankheiten ermöglichen kann. Beispiele wie die Sepsis-Früherkennung auf Intensivstationen oder KI-gestützte Brustkrebserkennung bei Mammografie-Screenings zeigen, wie KI bereits in der Gesundheitsversorgung integriert wird. Health.europa.eu hebt hervor, dass KI die Fehlerfreiheit in der Diagnostik erhöht und der Arzneimittelsektor durch schnellere Entdeckungsprozesse revolutioniert wird.

Tirol gilt bereits als Vorreiter in der Digitalisierung und Telemedizin, mit innovativen Projekten wie Teledermatologie und Herzmobil. Klestil plant, diese Initiativen in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Innsbruck weiter auszubauen und einen weiteren Beitrag zur nachhaltigen und effizienten Ausstattung des Gesundheitswesens zu leisten.

Wirtschaftspotenzial von KI im Gesundheitswesen

Das Potenzial von KI erstreckt sich auch auf die wirtschaftliche Seite des Gesundheitswesens. Laut einer Studie von PwC könnte dies bis 2030 zu einem weltweiten BIP-Wachstum von 15,7 Billionen US-Dollar beitragen, wobei das Gesundheitswesen besonders profitieren könnte. Insbesondere die Früherkennung von Krankheiten wie Fettleibigkeit bei Kindern, Demenz und die Diagnose sowie Behandlung von Brustkrebs zeigen signifikante Einsparpotenziale. Diese Entwicklungen könnten über die nächsten Jahre hinweg Milliarden an Kosten in der Gesundheitsversorgung einsparen. PwC.de weist darauf hin, dass die Implementierung von KI in verschiedenen Bereichen nicht nur lebensrettende Vorteile bringt, sondern auch zur Wirtschaftlichkeit des gesamten Systems beiträgt.

Insgesamt stehen Klestil und die tirol kliniken vor der Herausforderung und Möglichkeit, die Gesundheitsversorgung in Tirol weiter zu modernisieren und auf die Bedürfnisse der Patienten auszurichten, während sie gleichzeitig die entscheidende Rolle der KI in diesem Prozess nutzen.