Eine Pflegerin aus Niederösterreich steht unter dem Verdacht, einen Pensionisten ermordet und dessen Vermögen durch manipulative Testamente erlangt zu haben. Sie befindet sich seit mehreren Monaten in Untersuchungshaft, während die Ermittlungen wegen Mordverdachts und schweren Betrugs weiterhin laufen. Die Anwältin der Pflegerin, Astrid Wagner, hat die Vorwürfe vehement zurückgewiesen und spricht von einer Racheaktion an ihrer Mandantin. Nach Aussagen von „dubiosen Belastungszeugen“ könnte die Pflegerin durch Manipulationen in den Besitz des Vermögens ihres Klienten gelangt sein. Ein Schriftgutachten hat ergeben, dass die Unterschrift im Testament nicht die des verstorbenen Pensionisten ist, der im Februar 2021 starb und dessen Leiche mittlerweile exhumiert wurde. Die Obduktionsergebnisse, insbesondere das toxikologische Gutachten, stehen noch aus.

Die Pflegerin arbeitete seit 2017 für den 2021 verstorbenen Mann. Nach den neuesten Erkenntnissen ist sie Ende 2020 gemeinsam mit einem Häftling vorgegangen, um einen Doppelgänger anzuheuern, der dem Pensionisten ähnlich sah. Dieser Doppelgänger wurde dann genutzt, um ein Testament zu Gunsten der Pflegerin und ihres Lebensgefährten beim Notar aufzustellen. Erst im August 2025 wurden die Ermittlungen gegen die Pflegerin und ihren Partner aufgenommen, nachdem eine Anzeige eingegangen war. In diesem Kontext wird der Häftling, der den Doppelgänger beauftragte, als entscheidender Zeuge in der laufenden Ermittlung angesehen. Wagner wartet nun auf das Ergebnis der Obduktion und erklärt, dass sie nicht von einer Mordanklage ausgeht.

Erbschleicherei und deren Auswirkungen

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf das Phänomen der Erbschleicherei, das häufig bei pflegebedürftigen und isolierten Menschen vorkommt. Der Begriff beschreibt das unrechtmäßige Bemühen von Tätern, ihr Erbe durch Manipulationen, Täuschungen oder Urkundenfälschungen zu sichern. In Deutschland haben Erben die Möglichkeit, gegen solche manipulierten Testamente vorzugehen, was auch die Anfechtung eines Testaments und die Beantragung eines Erbscheins eingeschließt. Experten betonen, dass in Fällen von Erbschleicherei Juristen notwendig sind, um die Rechte der Erben durchzusetzen und die Legitimität von Testamenten zu überprüfen. Manipulative Einflüsse, wie übermäßige Hilfe oder Schmeicheleien, können gravierende Folgen für die Testierfähigkeit des Erblassers haben.

Erbschleicherei kann sowohl strafrechtlich verfolgt werden als auch zivilrechtliche Konflikte nach sich ziehen. Die gesetzliche Erbfolge, die bestimmten Angehörigen zusteht, kann durch solche Manipulationen in Frage gestellt werden. Ein Beispiel verdeutlicht, wie leicht es vor allem bei pflegebedürftigen Menschen im hohen Alter zu finanziellem Missbrauch kommen kann. Hierbei zeigen sich die Risiken, die entstehen, wenn das Vertrauen von Erblassern ausgenutzt wird.

Rechtliche Rahmenbedingungen

In Deutschland müssen ausgesprochen hohe Standards an die Testierfähigkeit angelegt werden, um die Rechte der Erben zu schützen. Der Gesetzgeber erlaubt eine Testierfreiheit, die es Erblassern erlaubt, abweichend von der gesetzlichen Erbfolge zu bestimmen. Jedoch unterliegt jede testamentarische Verfügung einer sorgfältigen Überprüfung durch die Gerichte, insbesondere wenn Zweifel an der Auswahl der Erben bestehen. Die Anfechtung eines Testaments sollte jedoch nur als letzte Option betrachtet werden, da sie rechtliche Streitigkeiten nach sich ziehen kann, die für die betroffenen Parteien unangenehm sind.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Fall der niederösterreichischen Pflegerin nicht nur die Ermittlungen gegen sie in den Fokus rückt, sondern auch die weitreichenden Probleme der Erbschleicherei und deren Auswirkungen auf betroffene Personen und deren Erben aufzeigt. Das rechtliche Gegenüber solcher Machenschaften ist komplex und erfordert hinreichende juristische Expertise.