Al-Shabaab hat kürzlich die strategisch bedeutende Insel Kudha in Somalia eingenommen. Die Terrorgruppe, die bereits zuvor in der Region aktiv war, behauptet, bei diesem Übergriff Dutzende somalische Regierungssoldaten getötet zu haben. Kudha liegt nahe der Grenze zu Kenia und war früher ein Stützpunkt der Miliz für Waffenschmuggel. Es wird angenommen, dass Al-Shabaab auch Kämpfer aus der kenianischen Küstenregion rekrutiert und regelmäßig Anschläge in Grenzgebieten verübt. Die Insel war etwa ein Jahr unter der Kontrolle der Sicherheitskräfte von Jubbaland, nachdem das kenianische Militär sie übergeben hatte. Die Gruppe strebt die Errichtung eines islamistischen Staates am Horn von Afrika an und richtet sich nicht nur gegen staatliche Strukturen, sondern auch gegen Journalisten sowie Vertreter der Zivilgesellschaft, die für westliche Werte stehen.

In der Zwischenzeit führen die somalischen Streitkräfte gemeinsam mit Jubbaland-Einheiten Operationen in der Nähe von Jamaame, einem weiteren Al-Shabaab-Stützpunkt, durch. Diese Offensive, die sich bereits in der zweiten Woche befindet, zielt darauf ab, die Widerstandsnester der Terrorgruppe in der Region zu zerschlagen. Die Regierungstruppen haben sich einer wichtigen defensiven Position, dem Araare-Brücke, bis auf sieben Kilometer genähert. Der Zugang zu Jamaame wäre der erste seit der Einnahme durch Al-Shabaab im Jahr 2008. Jamaame ist nicht nur logistisches Zentrum, sondern auch ein wichtiger Verwaltungsstandort und Steuereinnahmequelle für die Gruppe.

Aktuelle Offensive gegen Al-Shabaab

Die militärischen Fortschritte der somalischen Nationalarmee und der Jubbaland-Streitkräfte konzentrieren sich auf die Hauptstraße und das westliche Ufer des Jubba-Flusses. Das Ziel dieser Operation ist es, Al-Shabaab den Zugang zu landwirtschaftlichen Ressourcen und Einnahmequellen zu entziehen. Experten berichten, dass Jamaame wegen seines strategischen Standorts speziell für militärische Planungen und Einnahmen von zentraler Bedeutung ist. Für die Bevölkerung in den umliegenden Dörfern hat diese Offensive jedoch auch negative Folgen, da viele Bewohner aufgrund der intensiven Kämpfe in der Nähe von Araare fliehen.

Die Al-Shabaab-Miliz hat in den letzten Jahren an Einfluss gewonnen und rückt bedrohlich näher an die Hauptstadt Mogadischu. Trotz erster Erfolge der somalischen Regierung unter Präsident Hassan Sheikh Mohamud im Jahr 2022 sind viele der zurückeroberten Gebiete nach wie vor unsicher. Mangelnde Infrastruktur und Dienstleistungen, wie Sicherheit, Schulen und Gesundheitseinrichtungen, tragen zur Flucht und Unsicherheit der Bevölkerung bei, was das Rekrutierungsproblem von Al-Shabaab verstärkt.

Herausforderungen für die somalische Regierung

Über 50% der somalischen Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Al-Shabaab nutzt diese Notlage aus, indem sie Kämpfern hohe Löhne anbietet, die mit denen der Behörden vergleichbar sind. Schätzungen zufolge hat die Miliz bis zu 12.000 Kämpfer und erzielt jährlich zwischen 150 und 200 Millionen US-Dollar an Einnahmen durch Steuern und illegale Geschäfte. Darüber hinaus hat die Gruppe staatliche Institutionen infiltriert, was die Position der somalischen Regierung weiter schwächt.

Die Afrikanische Union (AU) unterstützt die somalische Armee seit 2007, wird aber bis 2029 abgezogen. Die Unsicherheit in Bezug auf die Finanzierung dieser Mission sowie die Notwendigkeit zusätzlicher Unterstützung könnten dazu führen, dass die AU-Mission an Kapazitäten und Moral verliert. Dies könnte Al-Shabaab in die Karten spielen, insbesondere in Anbetracht der strategischen Lage Somalias an wichtigen Schifffahrtsrouten, was sowohl Terrorgruppen als auch Piraterie zu einer Bedrohung für Europa macht.