Medienminister Andreas Babler (SPÖ) hat im Zuge der Reform der Medienförderung in Österreich eine umfassende wissenschaftliche Analyse in Auftrag gegeben. Diese wurde im November 2025 an das Medienhaus Wien vergeben und hat nun die ersten Empfehlungen präsentiert. Laut vienna.at ist das Ziel dieser Analyse, qualitätsorientierte Kriterien in die Medienförderung zu integrieren und die Effektivität der Unterstützung für den Journalismus zu steigern.
Babler kritisierte die derzeitige Zielgerichtetheit der über 80 Millionen Euro umfassenden Medienförderung. Eine der zentralen Empfehlungen ist die Einrichtung einer neuen, dauerhaft bestehenden Journalismusförderkommission. Diese soll aus unabhängigen Expert:innen bestehen, die nach klar definierten, gesetzlich geregelten Kriterien entscheiden. Die Unabhängigkeit dieser Kommission soll sicherstellen, dass politische Einflussnahme vermieden wird, was in der aktuellen Medienlandschaft als notwendig erachtet wird. Dies bestätigt auch kurier.at, das die Bedeutung der politischen Neutralität der neuen Kommission hervorhebt.
Qualitätskriterien für die Förderung
Ein weiterer zentraler Punkt der Empfehlungen ist die Berücksichtigung von Qualitätskriterien bei der Beurteilung der Förderwürdigkeit. Die vorgeschlagenen Kriterien umfassen Unabhängigkeit, Professionalität, gesellschaftliche Relevanz und verantwortungsvolles Handeln. Diese Kriterien sind nicht nur theoretisch, sondern sollen zur verbindlichen Voraussetzung für die Mittelvergabe werden. Die Ergebnisse der Analyse, die Anfang April 2026 abgeschlossen sein sollen, versprechen eine Struktur, in der der Journalismus und nicht einzelne Mediengattungen gefördert werden. Es wird auch darauf hingewiesen, dass die Selbstregulierung des Journalismus eine wesentliche Rolle in der Qualitätskontrolle spielen soll. die Presse ergänzt, dass diese Qualitätskriterien in formal überprüfbare und inhaltlich bewertbare Aspekte unterteilt werden.
Die vorgeschlagene Besetzung der Journalismusförderkommission durch einen Senat soll sicherstellen, dass nur qualifizierte und politikferne Personen in diese Gremien berufen werden. Dabei wird auch auf die Wichtigkeit verwiesen, dass die Medienförderung nicht nur einzelnen Formaten zu Gute kommt, sondern dem Journalismus insgesamt. Der Rechnungshof hatte zuvor eine Überarbeitung des Mediensystems empfohlen, um die Medienvielfalt zu fördern. Diese Notwendigkeit wird durch die mehr als 1000 arbeitslosen Journalistinnen und Journalisten in Österreich unterstrichen, die eine deutliche Herausforderung für die Branche darstellen.
Die Ergebnisse der Analyse sowie die neue Struktur der Medienförderung stoßen auf unterschiedliche Reaktionen. Der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) hat seine Verwunderung über die geplante neue Journalismusförderkommission geäußert, da die Vergabe der Fördermittel bisher professionell durch die unabhängige Medienbehörde KommAustria erfolgt ist. In Anbetracht der aktuellen Herausforderungen und der Abwanderung von Werbegeldern an große US-Konzerne ist die Neugestaltung der Förderung allerdings ein Thema, das von vielen Stakeholdern als dringend notwendig angesehen wird. Die journalistische Gewerkschaft GPA fordert zudem, dass die Sicherung der Arbeitsplätze ein zentraler Punkt bei der Neugestaltung der Medienförderung sein sollte.
Die Initiatoren der Stakeholder-Konferenz „Acht Tische für die Vierte Gewalt“ haben die Expertenempfehlungen positiv aufgenommen und planen weitere Veranstaltungen zur Diskussion über die zukünftige Medienförderung. Es bleibt abzuwarten, wie die finalen Ergebnisse der Analyse im April 2026 die Diskussion über die Medienförderung in Österreich beeinflussen werden.