Ein tragisches Unglück hat sich am Sonntag auf der Abfallentsorgungsanlage Bantargebang in Bekasi, Indonesien, ereignet. Während eines Erdrutsches, der durch stundenlangen Regen ausgelöst wurde, sind mindestens vier Menschen ums Leben gekommen. Aktuell werden außerdem weiterhin vier Personen vermisst. Die Deponie, die eine der größten offenen Müllkippen weltweit ist, nimmt täglich Tausende Tonnen Abfall aus Jakarta, der bevölkerungsreichsten Stadt der Welt mit rund 42 Millionen Menschen, auf. Laut einem Bericht von Kurier könnte die hohe Mülllast, insbesondere bei Regen, eine Ursache für den Erdrutsch sein.
Die Opfer wurden durch die herabstürzenden Müllmassen und Trümmer begraben. Teilweise wurden auch Müllwagen und kleine Imbissstände unter den Abfallmassen begraben. Eigentlich sind die Arbeitsbedingungen für informelle Müllsammler und Kleinhändler, die rund um die Deponie tätig sind, bereits gefährlich, sodass solche Unglücke verheerende Folgen haben können. Erdrutsche in der Region sind nicht neu, im Jahr 2005 starben bei einem ähnlichen Vorfall 143 Menschen bei einer Methangasexplosion auf einer Mülldeponie in Westjava.
Rettungsmaßnahmen und Ursachen des Unglücks
Die Rettungskräfte sind mit Baggers und Spürhunden vor Ort, um nach den Vermissten zu suchen. Der Erdrutsch hat nicht nur Menschenleben gefordert, sondern auch erhebliche materielle Schäden verursacht, da Fahrzeuge und Stände von den Abfallmengen getroffen wurden. Die genaue Ursache für das Abrutschen ist zwar unklar, doch Umweltschutzexperten warnen vor der instabilen Situation, die durch die massive Müllproduktion und die veraltete Infrastruktur noch verschärft wird. Laut dem Tagesspiegel produziert die Region schätzungsweise 14.000 Tonnen Müll pro Tag.
Um die Situation zu verbessern, hat Indonesiens Umweltminister Hanif Faisol Nurofiq die lokalen Behörden kritisiert, da trotz eines Verbots aus dem Jahr 2008 weiterhin Abfälle auf der Deponie abgeladen werden. Während Jakartas Umweltbehörde bis jetzt keine Stellung nehmen wollte, plant die Regierung Maßnahmen zur Schließung von Mülldeponien und den Bau von Müllverbrennungsanlagen.
Perspektiven für die Abfallbewirtschaftung
Die indonesische Regierung plant, über drei Milliarden Euro in den Bau von 34 Müllverbrennungsanlagen zu investieren, die noch innerhalb von zwei Jahren in Betrieb genommen werden sollen, um die Abfallproblematik in den Griff zu bekommen und gleichzeitig Strom aus dieser Quelle zu produzieren. Präsident Prabowo Subianto hat bereits darauf hingewiesen, dass die meisten Mülldeponien bis 2028 voll sein werden. Der Handlungsdruck ist enorm, denn Indonesien sieht sich einer wachsenden Müllkrise gegenüber, die durch illegale Müllentsorgung und eine mangelhafte Infrastruktur verstärkt wird, wie auch Mongabay berichtet.
Die Schließung von Mülldeponien sowie die Durchsetzung bestehender Gesetze scheitern häufig an Korruption und einer unzureichenden Finanzierung. Während mittlerweile auch finanzielle Anreize zur Förderung einer besseren Mülltrennung und -entsorgung angeboten werden, bleibt die öffentliche Einstellung gegenüber der Mülltrennung in Indonesien besorgniserregend. Viele Haushalte und Unternehmen möchten sich gegen höhere Gebühren oder aufwendige Trennmaßnahmen wehren.