In den letzten Tagen haben die Internetprobleme in Russland eine alarmierende Dimension erreicht. Laut oe24.at drosseln die russischen Behörden zunehmend das mobile Internet aus Sicherheitsgründen. Diese Maßnahmen werden vom Kremlsprecher Dmitri Peskow als rechtmäßig verteidigt, wobei die Gewährleistung der Sicherheit als Hauptgrund für die Einschränkungen angeführt wird.
Die Drosselungen sind eine direkte Reaktion auf die jüngsten ukrainischen Angriffe. Die genauen Zeiträume, in denen die Einschränkungen gelten, sind nicht bekannt; die Behörden betonen, dass diese solange bestehen bleiben sollen, wie es erforderlich ist. Betroffen sind derzeit mehrere Stadtbezirke in Moskau, in denen seit etwa einer Woche anhaltende Probleme mit dem mobilen Internet auftreten.
Massive Auswirkungen auf den Alltag
Die Einschränkungen betreffen eine Vielzahl digitaler Dienste. Fitnesscenter-Apps, Bankanwendungen sowie Kurier- und Taxi-Dienste sind nicht mehr funktionsfähig. Viele Bürger in Moskau sehen sich gezwungen, wieder auf Barzahlungen zurückzugreifen. Eine besondere Herausforderung stellen die Störungen für Geschäftsleute dar, deren tägliche Verluste auf Dutzende Millionen Euro geschätzt werden.
Ein weiterer Aspekt ist die stark eingeschränkte Nutzung von Plattformen wie YouTube. Anrufe über Messenger-Dienste wie WhatsApp und Telegram sind nur noch mit Virtual Private Networks (VPN) möglich. Berichten zufolge hat der russische Geheimdienst FSB das Recht erhalten, das Internet in bestimmten Regionen vollständig abzuschalten, was die Besorgnis hinsichtlich der digitalen Privatsphäre und der Meinungsfreiheit weiter steigert.
Hintergrund der Internetkontrolle
Diese aktuellen Störungen sind Teil eines größeren Trends der Internetzensur in Russland, der seit Beginn der Invasion der Ukraine im Februar 2022 an Intensität gewonnen hat. Laut einem Bericht von Human Rights Watch ist die Regierung aktiv dabei, Websites und Plattformen zu drosseln, die als subversiv gelten. Behörden nutzen Vorwände wie öffentliche Sicherheit, um umfassende Sperrungen und Drosselungen durchzuführen. Dies hat zur Isolation vieler Nutzer geführt, da der Zugang zu beliebten ausländischen Websites ohne VPN weitgehend unmöglich ist.
Der Bericht dokumentiert auch die staatliche Kontrolle über die Internetinfrastruktur, die es der Regierung ermöglicht, Isolationsexperimente durchzuführen und regionales Internet abzuschalten. Es ist der Bevölkerung oft nicht möglich, sich gegen diese Maßnahmen zu wehren, da viele nicht wissen, wie man VPNs effektiv nutzt.
Zusätzlich werden wichtige soziale Netzwerke wie Instagram und Facebook gesperrt, während russische Alternativen gefördert werden, was das Risiko der Datenweitergabe an die Behörden erhöht. Eine große Herausforderung bleibt die kontinuierliche Kontrolle, da mehr als die Hälfte der IP-Adressen in den Händen von nur sieben staatlich kontrollierten Anbietern ist.
Die aktuelle Situation stellt nicht nur eine ernste Einschränkung der Informationsfreiheit dar, sondern hat auch weitreichende Konsequenzen für den Alltag der Menschen in Russland sowie die Wirtschaft des Landes.