Milena Bucek aus Graz hat die Online-Plattform „Ovaryacted“ ins Leben gerufen, um die Themen der Frauengesundheit zu enttabuisieren. Die Plattform behandelt insbesondere aktuelle Probleme wie Endometriose, polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS), prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS) und hormonelle Dysbalancen. Bucek selbst kämpfte jahrelang mit gesundheitlichen Beschwerden und stellte dabei fest, dass ihre Symptome von Ärzten oft nicht ernst genommen wurden. Diese Problematik wird unter dem Begriff „Medical Gaslighting“ zusammengefasst, der häufig im Zusammenhang mit Endometriose verwendet wird, wo Patient:innen oft mit der Aussage konfrontiert werden: „Das sind nur ganz normale Periodenschmerzen“.

Bucek berichtet von Erlebnissen, in denen Ärzte sie zum Psychiater schicken wollten, anstatt die hormonellen Ursachen ihrer Beschwerden zu erkennen. Dieses Nichternstnehmen der Symptome führt dazu, dass viele Betroffene weiterhin unter starken Schmerzen und psychischen Belastungen leiden, ohne eine klare Diagnose zu erhalten. Der Begriff Medical Gaslighting beschreibt dabei die vorschnelle Zuordnung von Beschwerden zu Stress oder psychischen Faktoren, was häufig zu verzögerten Diagnosen und einem erschwerten Zugang zu geeigneten Therapien führt.

Ein sicherer Raum für Betroffene

„Ovaryacted“ fungiert nicht nur als Informationsquelle, sondern auch als Schutzraum für Frauen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Bucek ist sich der historischen Diskriminierung von Frauen in der medizinischen Forschung bewusst und kritisiert, dass ihre Bedürfnisse oft ignoriert wurden. Die Plattform bietet betroffenen Frauen die Möglichkeit, sich auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen. Sie erzählt von einer 18-Jährigen, die von ihrer Gynäkologin nicht ernst genommen wurde und erst von einer anderen Ärztin die Diagnose Endometriose erhielt.

Bucek sieht sich selbst als feministische Aktivistin und setzt sich dafür ein, dass Frauen ermutigt werden, für ihre Rechte als Patientinnen einzutreten. „Ovaryacted“ soll eine Gegenbewegung zur Sprachlosigkeit darstellen, da Bucek überzeugt ist, dass Veränderung beginnt, wenn Frauen nicht mehr leise leiden. In Graz sieht sie außerdem einen Mangel an Ärzten, die sich mit Hormonersatztherapie auskennen.

Forderungen für eine bessere medizinische Behandlung

Die Aktivistin hat drei wesentliche Forderungen aufgestellt: Erstens, dass Patientinnen ernst genommen werden und eine umfassende Aufklärung für alle Geschlechter beginnt. Zweitens, mehr gesellschaftliche Offenheit zu Frauenthemen gefordert wird. Und drittens, dass mehr finanzielle Mittel für die weibliche Medizin und deren Forschung bereitgestellt werden. Bucek betont, dass die historische Orientierung der Medizin an männlichen Körpern ein wesentlicher Grund für das Phänomen des Medical Gaslighting ist, welches vor allem marginalisierte Gruppen, einschließlich Frauen*, People of Colour und Transpersonen betrifft.

Die Herausforderungen, mit denen Frauen bei der medizinischen Versorgung konfrontiert werden, sind enorm. Sie sind oft gezwungen, sich selbst zu rechtfertigen oder ihre Symptome als weniger gravierend darzustellen, was tiefe psychische Auswirkungen haben kann. Die Gesundheitswissenschaftlerin J. Sebring beleuchtet, dass es noch nicht genügend Forschung zu diesen Problemen gibt, weshalb viele Erkenntnisse sich auf persönliche Erfahrungsberichte stützen müssen.

Bucek’s Engagement und die Gründung von „Ovaryacted“ sind somit nicht nur ein Schritt zur Verbesserung der individuellen medizinischen Versorgung, sondern auch ein Aufruf an die Gesellschaft, sich mit den schweren Themen der Frauengesundheit auseinanderzusetzen. Mit ihrer Plattform möchte Bucek die Tabus brechen und so eine endlich ernsthafte Diskussion über weibliche Gesundheit und das leidige Thema des Medical Gaslighting anstoßen.

Für mehr Informationen über diese Themen und die Arbeit von Milena Bucek, besuchen Sie 5min.at, Endometriose.app und Fem-med.org.