Immer mehr Menschen leiden unter chronischen Schmerzen, wobei aktuelle Studien zeigen, dass Frauen im Vergleich zu Männern deutlich häufiger betroffen sind. Laut Berichten von Krone sind mehr als zwei Drittel der schmerzgeplagten Patienten zunächst in Apotheken anzutreffen, wo sie Schmerzmittel erwerben. Besonders auffällig ist, dass Frauen in der Regel dreimal so häufig an Migräne leiden wie Männer. Diese Erkrankung kann sich als starker Schmerz, oft als „Hammer im Kopf“ beschrieben, über bis zu 72 Stunden hinziehen.
Neurologe Christian Lampl betont, dass die unterschiedliche Häufigkeit von Migräne bei Männern und Frauen auch damit zusammenhängen könnte, dass Frauen proaktiver zu Ärzten gehen. Männer hingegen neigen dazu, weniger über ihre Schmerzen zu sprechen, was ihre Diagnostik erschwert. Die Herausforderungen in der Schmerzdiagnose sind vielfältig und oft mit langen Wartezeiten auf die korrekte Behandlung verbunden. Frauen berichten von Schmerzen, was die Ärzte bei der Schmerzbewertung dringend benötigen.
Ursachen für Geschlechterunterschiede in Schmerzempfindung
Während die genauen Ursachen für die höhere Schmerzbelastung bei Frauen noch unzureichend erforscht sind, zeigen Studien, dass genetische und umweltbedingte Faktoren sowie Sexualhormone, insbesondere Östrogen, eine Rolle spielen. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Frauen im Allgemeinen schmerzempfindlicher sind und eine niedrigere Schmerzschwelle haben. Ihre körpereigene Schmerzhemmung scheint weniger effizient zu sein, was zu einer anderen Reaktion auf Schmerzen führt, verglichen mit Männern.
Zusätzlich haben Frauen ein höheres Risiko für Nebenwirkungen bei der Einnahme von Opioiden. Dies macht es erforderlich, alternative Behandlungsmethoden zu finden, um eine sichere Schmerzlinderung zu gewährleisten. Tagesschau hebt hervor, dass Schmerzerkrankungen bei Frauen häufig weniger Beachtung in der Forschung finden.
Die Rolle des sozialen Umfelds
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass psychische und soziale Faktoren eine erhebliche Rolle in der Schmerzempfindung und -wahrnehmung spielen. Viele Frauen müssen monatelang, wenn nicht sogar jahrelang, auf eine korrekte Diagnose warten. So werden beispielsweise Regelschmerzen gesellschaftlich oft als „normal“ angesehen, was zu einer Missachtung der Beschwerden führt. Diese soziokulturellen Einflüsse beeinflussen das Verhalten der Betroffenen und die Bereitschaft der Ärzte, die Schmerzen ernst zu nehmen.
Die Forschung zeigt zudem, dass es Unterschiede in den Schmerzarten gibt: Clusterkopfschmerzen treten häufig bei Männern auf, während Migräne eher Frauen betrifft. Die Notwendigkeit, Geschlechterunterschiede in der Schmerzforschung und -behandlung zu berücksichtigen, hat in der wissenschaftlichen Gemeinschaft an Bedeutung gewonnen. Eine aktuelle Studie, die im Journal of Pain Research veröffentlicht wurde, zeigt zudem, dass es eine große Lücke in der Behandlung und Erforschung der Schmerzen in der LGBTQ-Population gibt. Dies könnte eine weitere Dimension der Ungleichheit in der Schmerztherapie darstellen.
Der Umgang mit Schmerzen ist ein nicht nur medizinisches, sondern auch gesellschaftliches Thema. Es bleibt abzuwarten, wie weitere Forschungsergebnisse, die auch Frauen gezielt einbeziehen, das Verständnis und die Behandlung chronischer Schmerzen verändern werden. Eine umfassende Sichtweise könnte helfen, die bestehenden Ungleichheiten abzubauen und eine gerechtere Schmerzversorgung für alle Geschlechter zu gewährleisten. Weitere Informationen zu diesen Themen finden sich in der Forschung der Charité, die sich mit den geschlechtsspezifischen Aspekten chronischer Schmerzen beschäftigt.