Friedrich Merz steht am Freitag beim CDU-Parteitag in Stuttgart vor einer entscheidenden Herausforderung. Der Bundeskanzler möchte sich zur Wiederwahl als CDU-Vorsitzender stellen. Dies markiert seine erste Wiederwahl als Regierungschef, nachdem er bereits im Jahr 2024 mit 89,81 Prozent der Stimmen gewählt wurde. Die Zustimmung für Merz wird in der Partei mit Spannung erwartet, insbesondere nachdem die Junge Union und der Arbeitnehmerflügel unzufrieden mit seinem Kurs sind und eine Reformpartei fordern. OE24 berichtet, dass auch die Führungsgremien der CDU auf dem Parteitag neu bestimmt werden.

Der Parteitag, der sich über drei Tage erstreckt, wird von 1.001 Delegierten und weiteren 1.000 nationalen sowie internationalen Gästen besucht, wie ZDF mitteilt. Am Samstag soll die Delegiertenabstimmung über einen Leitantrag des Vorstands stattfinden, der einen „neuen Aufschwung am Wohnungsmarkt“ fordert. Außerdem wird Angela Merkel als Ehrengast erwartet und nimmt damit zum ersten Mal seit ihrer Kanzlerschaft an einem CDU-Parteitag teil.

Interne Spannungen und Reformforderungen

Merz sieht sich jedoch mit positiven und negativen Rückmeldungen seiner Partei konfrontiert. Er hat versprochen, die CDU nicht mehr wie eine Außenstelle des Kanzleramtes zu führen und möchte mit dem Slogan „CDU pur“ die Partei von Koalitionszwängen befreien. Dies geschieht vor dem Hintergrund interner Konflikte und einem Führungsdefizit, die die Partei bremsen könnten, wie n-tv hinweist. Junge Union-Chef Johannes Winkel fordert klare Reformsignale vom Parteitag.

Bei seiner letzten Wahl erhielt Merz 89,8 Prozent, während Generalsekretär Carsten Linnemann 91,4 Prozent erzielte. Allerdings räumt Merz ein, dass die Erwartungen bislang nicht erfüllt wurden. Ein strittiger Antrag der Mittelstandsunion zur Einschränkung des Rechts auf Teilzeitarbeit sorgte für Kontroversen, und Linnemann kritisierte diesen als mangelnde Kommunikation und Kompetenz.

Wirtschaftliche Herausforderungen und aktuelle Umfragen

Die wirtschaftliche Lage belastet die CDU zusätzlich. Laut aktuellen Umfragen liegt die Partei bei 26 Prozent, was unter dem zuletzt erzielten Wahlergebnis von 28,5 Prozent liegt. Zudem sind 75 Prozent der Deutschen mit Merz‘ Arbeit unzufrieden. Der Parteitag könnte der entscheidende Moment für Merz werden, um unter Beweis zu stellen, dass er auch innenpolitisch Kompetenzen hat und die Partei reformieren kann.

Insgesamt wird der Parteitag als Gradmesser für die Stimmungslage innerhalb der CDU und der Zufriedenheit mit der Parteiführung angesehen. Merz steht unter Druck, sowohl die Erwartungen der Delegierten zu erfüllen als auch strategische Weichenstellungen für die bevorstehenden Landtagswahlen in Baden-Württemberg vorzunehmen.