In der neuesten Folge des Agenda-Austria-Podcasts „Das Weekly“ diskutieren die Journalisten Michael Fleischhacker und Franz Schellhorn über den Zustand des heimischen Medienbetriebs. Diese Episode wird als grundsätzliche Abrechnung mit Redaktionen, journalistischen Milieus und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk eingeordnet. Fleischhacker, ehemaliger Chefredakteur bei „Presse“ und „Standard“, hebt dabei hervor, dass viele Journalisten aus Schulen und Universitäten kommen, in denen sie lernen, dass es unanständig sei, nicht links zu sein. Dies führt häufig dazu, dass konservative oder liberale Denkweisen im Alltag zurückgehalten werden.
Durch diesen Einfluss wird die Gewichtung von Themen verzerrt, was dazu führt, dass bestimmte Perspektiven ignoriere werden. In den Redaktionen wird häufig bei heiklen Themen gewarnt: „Vorsicht, rechtes Narrativ“. Diese Verhaltensweisen erschweren eine offene Debatte und schaffen ein Ungleichgewicht zwischen Medien, Politik und der Bevölkerung, die sich in ihrer Haltung nicht stark verändert hat. Schellhorn wittert eine deutliche Linksverschiebung in den Medien und der Politik, was dazu führt, dass viele zuvor normale Themen in der heutigen Berichterstattung extrem wirken.
Die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
Ein zentrales Anliegen der Diskussion ist die Kritik an den öffentlich-rechtlichen Medien, insbesondere dem ORF. Schellhorn bezeichnet diesen als „ökosozialistische Ertüchtigungsanstalt – von früh morgens bis spät abends“. Fleischhacker ergänzt, dass die Annahme, weniger Geld für den ORF würde die Demokratie gefährden, ein fragwürdiges Demokratieverständnis zeige.
Diese Kritik an der Verarbeitung von Informationen trägt zu den jüngsten Ergebnissen einer Studie der Universität Mainz bei, die die Vielfalt und Ausgewogenheit der Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk untersucht hat. Die Untersuchung zeigt, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland dominierend über die Regierungsparteien berichtet, während der Sichtbarkeitsvorsprung der Ampelparteien im Vergleich zu den Oppositionsparteien markant ist. Die SPD und die Grünen werden insgesamt häufig erwähnt, während CDU/CSU und FDP weniger in der Berichterstattung vorkommen. Diese Diskrepanz wird von der Stiftung Mercator, die die Studie kofinanzierte, als problematisch betrachtet, da sie ein Ungleichgewicht in der politischen Darstellung fördern könnte.
Die Studie, die fast 10.000 Nachrichtenbeiträge aus öffentlichen und privaten Nachrichtenformaten analysierte, verweist zudem auf eine tendenziell sozialstaatliche Ausrichtung in den öffentlich-rechtlichen Medien. In sieben der neun untersuchten Formate war der Einfluss liberal-progressiver Perspektiven überproportional hoch im Vergleich zu konservativen Ansichten. Dies ist besonders relevant, wenn man bedenkt, dass ARD und ZDF im Rahmen ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur Gewährleistung der „möglichst breiten Themen- und Meinungsvielfalt“ arbeiten sollten.
Zentrale Ergebnisse der Studie
| Medium | Häufigkeit der Nennungen in der Berichterstattung |
|---|---|
| SPD | 33% |
| Grüne | 29% |
| CDU/CSU | 19% |
| FDP | 12% |
Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass sowohl öffentlich-rechtliche als auch private Medien ähnliche Muster in der Berichterstattung aufweisen, jedoch der Einfluss der Regierungsparteien in den öffentlich-rechtlichen Formaten tendenziell stärker ausgeprägt ist. Die Berichterstattung wird als wenig negativ oder ausgewogen bewertet, obwohl es Hinweise gibt, dass öffentlich-rechtliche Medien weniger negativ über aktuelle Regierungsparteien berichten als ihre privaten Pendants. Professor Maurer betont, dass dies das Vertrauen der Bürger in etablierte Parteien und in die Demokratie insgesamt stärken könnte, anstatt zu untergraben.
Diese Debatten zeigen die Komplexität des Verhältnisses zwischen Medien, Politik und gesellschaftlicher Wahrnehmung in Österreich und darüber hinaus. Die Sorgen um die unzureichende politische Vielstimmigkeit in der Berichterstattung bleiben angesichts solcher Studien und Diskussionen ein zentrales Thema.



