Bei den Kommunalwahlen in Frankreich am 22. März 2026 zeichnen sich klare Trends ab. Wie Kleine Zeitung berichtet, konnte Benoît Payan in Marseille laut Hochrechnungen deutlich gewinnen. Ihm wird eine starke Unterstützung des sozialistischen Lagers (PS) zugesprochen, während er in den Umfragen zunächst mit Franck Allisio vom Rassemblement National (RN) gleichauf war.
Im landesweiten Kontext zeigen sich die Kommunalwahlen als ein wichtiges Stimmungsbarometer für die politische Landschaft, insbesondere mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr. Die Sozialisten (PS) und die bürgerlichen Parteien (LR, Horizon, MoDem, Renaissance) liegen im ersten Wahlgang vorn, während RN und La France Insoumise (LFI) einen signifikanten Aufschwung erfahren haben. Euronews erläutert, dass die LFI in Saint-Denis den PS besiegte und dementsprechend in verschiedenen Städten, darunter Roubaix, auf Erfolge hofft. Dennoch distanzieren sich die Sozialisten nach Antisemitismusvorwürfen gegen ihren Führer Jean-Luc Mélenchon von der LFI.
Rassemblement National beansprucht Wahlsiege
Der RN reklamiert Wahlsiege in rund 30 Städten, unter ihnen Orange, Carcassonne, Carpentras und Liévin. In Nizza konnte der mit dem RN verbündete Kandidat Eric Ciotti gewinnen, während der RN in Toulon scheiterte, wo die konservative Amtsinhaberin Josée Massi ihre Position verteidigte. Zudem gelang es der RN-Kandidatin Laure Lavalette, die in den Umfragen vorne lag, nicht, sich durchzusetzen.
Die Wahlbeteiligung lag bis zum späten Nachmittag bei etwa 48 Prozent, was die gleiche Quote wie in der ersten Runde darstellt. Die Ergebnisse aus den Großstädten wurden am Sonntagabend erwartet, wobei in Paris Rachida Dati und Emmanuel Grégoire in den Umfragen nur wenige Punkte auseinanderlagen. Der RN hofft, mehrere Großstädte zu erobern; in Marseille hat sich die Gewinnchance allerdings durch den Rückzug eines linkspopulistischen Kandidaten verringert.
Weitere bemerkenswerte Ergebnisse
In Nîmes konnte der Kandidat der kommunistischen Partei einen Sieg erringen, während Edouard Philippe in Le Havre mit etwa 47 Prozent der Stimmen als Bürgermeister wiedergewählt wurde. Philippe plant, 2027 für die Präsidentschaft zu kandidieren und macht seine Bewerbung von seiner Wiederwahl als Bürgermeister abhängig. Er war der erste Premierminister unter Präsident Emmanuel Macron, der nach zwei Amtszeiten 2027 nicht mehr antreten wird.
Die Ergebnisse der Kommunalwahlen verdeutlichen, wie die politische Landschaft in Frankreich im Vorfeld der Präsidentschaftswahl von Unsicherheiten geprägt ist. Die Kommunalwahlen gelten als richtungsweisend, doch die Ergebnisse sind stark lokal geprägt, was die strategischen Überlegungen der Parteien beeinflussen wird. Die Sozialisten müssen herausfinden, inwieweit sie von der LFI abhängig sind, während der RN zeigt, dass er bereit ist, Verantwortung in der Stadtverwaltung zu übernehmen.



