Die Erfahrungen von Kindern in Belgrad während der krisengeschüttelten Jahre 1991 bis 1994 stehen im Fokus von Maja Iskras Debütroman „Uppercut“. In dieser Erzählung schildert die Landschaftsarchitektin und Medienkünstlerin eindrücklich die Herausforderungen, mit denen die Protagonisten, die zwischen neun und 14 Jahre alt sind, konfrontiert sind. Themen wie Mobbing, Diebstahl und Gewalt prägen ihren Alltag und formen die Dynamik zwischen Freundschaften und Feindschaften in einer brutalen Umgebung, sowohl in Schulen als auch auf den Straßen.
Iskra, die selbst 1981 geboren wurde und mit autobiografischem Material aus ihrer eigenen Jugend anknüpft, betont, dass Kinder in Krisenzeiten schneller reifen und mutige Entscheidungen treffen müssen. Auch die Grundlagen der Menschlichkeit werden in solchen Zeiten früh gelegt, was sie als „Lackmusprobe der Menschlichkeit“ beschreibt. Iskra bleibt mit vielen ihrer damaligen Freunde, die diese Probe bestanden haben, in Kontakt.
Einblicke in die Jugend von Maja Iskra
Am 24. Februar wird Iskra ihren Roman im Wien Museum vorstellen. Die Handlung wechselt zwischen der gegenwärtigen Zeit in Wien und den turbulenten Jahren in Belgrad. Ihre Erzählung entwächst nicht der Thematik der Straßenkinder, thematisiert jedoch das Leben auf der Straße in einem unsicheren Umfeld. Iskra hat bereits im Alter von neun Jahren mit dem Schreiben begonnen und veröffentlichte 2023 die serbische Originalfassung „Aperkat“. Nun erscheint das Buch im traditionsreichen Wiener Verlag Zsolnay.
Die Stadt Belgrad hat sich seit Iskras Kindheit verändert; der Abenteuerspielplatz ihrer Jugend existiert nicht mehr, während die Stadt zunehmend nach den Interessen einer kleinen Elite gestaltet wird. Der Verlauf in der politischen Landschaft bleibt ebenfalls turbulent, was sich in den großen Demonstrationen gegen die Regierung nach dem Einsturz des Bahnhofsvordaches in Novi Sad zeigt. Iskra nimmt aktiv an Protesten in Belgrad teil und beschreibt eine vielfältige Struktur unter den Teilnehmenden.
Mobbing in Schule und Gesellschaft
Das Thema Mobbing, das auch in Iskras Werk eine zentrale Rolle spielt, ist nicht nur in Serbien von Bedeutung. In Deutschland sind nahezu 1,4 Millionen Schüler regelmäßig von Mobbing betroffen, wie aktuelle Daten zeigen. Häufiger geht es dabei um Beleidigungen, körperliche Angriffe und soziale Ausgrenzung. Die HBSC-Studie offenbart, dass etwa 13 % aller Schüler in Deutschland regelmäßig mobben oder selbst gemobbt werden. Diese tatsächlichen Umstände ziehen ernsthafte Konsequenzen nach sich. Beispielsweise äußerte ein 17-Jähriger namens Fabian, der von der zweiten bis zur vierten Klasse gemobbt wurde, sogar Suizidgedanken und suchte Hilfe.
Die Ergebnisse und Berichte zur Mobbing-Situation verdeutlichen die Notwendigkeit, Lehrer besser auszubilden, um Mobbing zu erkennen und präventiv zu handeln. Zwei Drittel der Schulleiter berichten von einer steigenden Gewalt an Schulen. Eine fundierte Anti-Mobbing-Arbeit gehört jedoch nicht zum regulären Teil der Lehrerausbildung, was zu einem Mangel an Wissen und Bewusstsein führt. Neue Programme und Bewegungen, wie die von Prof. Dr. Herbert Scheithauer entwickelte Intervention, zeigen Ansätze zur Verbesserung der Situation in Schulen auf.
Wie Maja Iskra zeigt, sind die Themen, die das Aufwachsen in Krisenzeiten prägen, universell. „Uppercut“ wird am 24. Februar im Wien Museum der Öffentlichkeit präsentiert, während der gesellschaftliche Diskurs um Mobbing und Gewalt an Schulen weitergeht. Iskra leitet bereits die Arbeiten zu ihrem zweiten Roman, den sie parallel auf Deutsch und Serbisch verfasst.