Ein 60-jähriger Mann, der mit dem Kavač-Clan in Verbindung gebracht wird, sitzt seit etwa vier Wochen in einer Wiener Justizanstalt. Dies wurde von Christina Salzborn, Sprecherin des Landesgerichts, bestätigt. Der Verdächtige wurde in Serbien festgenommen und anschließend an die österreichischen Behörden übergeben. Er wartet nun auf Anklage und Prozess.
Die Hintergründe zu seiner Festnahme sind dramatisch. Mitglieder des Kavač-Clans hatten vor sechs Jahren einen Kroaten unter dem Vorwand einer Geschäftsanbahnung nach Wien gelockt. Zusammen mit einem älteren Begleiter wurde das Opfer dann in ein Appartement am Rudolfsplatz gebracht, wo es überwältigt, gefesselt und mit dem Tod bedroht wurde. Die Täter forderten eine hohe Geldsumme zur Freilassung der beiden Männer.
Erpressung und Drohungen
Die Situation eskalierte, und die Entführer verlangten letztlich eine Million Euro. Die Opfer, die in der Unterkunft gefoltert wurden, boten schließlich 750.000 Euro an, was ihrer Freilassung zugutekam. Dies wurde durch die Übergabe von 100.000 Euro in Zagreb umgesetzt, wie im Prozessverlauf deutlich wurde. Zwei Männer wurden bereits im vergangenen Jahr am Landesgericht schuldig gesprochen und erhielten Freiheitsstrafen von sechs und sieben Jahren. Ein 57-jähriger „Aufpasser“ wurde indes freigesprochen, da nicht bewiesen werden konnte, dass er tatsächlich vor dem Appartement patroulliert hatte. Gegen diesen Freispruch legte die Staatsanwaltschaft nun Nichtigkeitsbeschwerde ein.
Der 60-Jährige erklärt, er sei selbst „gekidnappt“ worden und wisse nichts von den Vorwürfen, die ihm zur Last gelegt werden. Ingesamt seien sieben Personen in die Entführung involviert gewesen. Ermittlungen zur organisierten Kriminalität in diesem Fall sind länderübergreifend und beteiligen Behörden aus Serbien und Kroatien, sowie das österreichische Bundeskriminalamt.
Kryptokommunikation und Sicherheit im Gericht
Der Prozess, der am 17. Juni 2025 begann, findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen im Wiener Landesgericht statt. Ein Fotografier- und Filmverbot im Gerichtssaal sorgt dafür, dass die proceedings unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Die Angeklagten, ein 39-jähriger Montenegriner und ein 50-jähriger Serbe, haben von ihrem Recht zur Aussageverweigerung Gebrauch gemacht. Die Kommunikation zwischen ihnen und anderen Clanmitgliedern wurde über Krypto-Handys geführt, die im Rahmen der Ermittlungen sichergestellt wurden. Diese Handys, etwa von Sky-ECC, sind entscheidend für die Klärung der Vorwürfe und konnten mit Unterstützung des FBI entschlüsselt werden.
Die Ermittlungen zeigen, wie komplex die Strukturen der organisierten Kriminalität in Europa sind. Die Mafia hat in den letzten Jahren ihre Einflüsse ausgedehnt, und in Deutschland sind verschiedene Gruppen aktiv. Die italienische Mafia, die seit den 1960er Jahren in Deutschland präsent ist, hat sich in zahlreichen urbanen Zentren etabliert. Schätzungen zufolge gibt es dort zwischen 18 und 60 Stützpunkte mit jeweils bis zu 50 Mitgliedern.Planet Wissen berichtet, dass die deutsche Wirtschaft, besonders nach der Wiedervereinigung, viele Möglichkeiten für organisierte Kriminalität bietet, während die Gesetzgebung oft als unzureichend kritisiert wird.
Experten warnen eindringlich vor der Unterschätzung der Mafia und ihrer Machtinteressen. In Deutschland, wo die Mitgliedschaft in der Mafia nicht strafbar ist, bleibt es für Ermittler schwierig, eindeutige Beweise zu sammeln, da potenzielle Zeugen häufig aus Angst vor Rache zum Schweigen gedrängt werden.