Am 31. Jänner 2026 ist der Altbischof Maximilian Aichern im Alter von 93 Jahren verstorben. Die Diözese Linz bestätigte den Tod des ehemaligen Bischofs auf ihrer Internetseite. Aichern verstarb im Domherrenhaus in Linz, umgeben von seinem Nachfolger Manfred Scheuer. Geboren am 26. Dezember 1932 in Wien, wurde Aichern 1981 von Papst Johannes Paul II. zum Bischof ernannt und bekleidete dieses Amt bis zu seinem Rücktritt im Jahr 2005.

Aichern war bekannt für seine liberale Amtsführung und gilt als bedeutender Vertreter des sozialen Katholizismus in Österreich. Er setzte sich für sozialpolitische Themen ein, was ihm den Titel „Sozialbischof“ einbrachte. Insbesondere engagierte er sich für den arbeitsfreien Sonntag und die Belange von Arbeitnehmern. Seine Initiative zur Gründung der Bischöflichen Arbeitslosenstiftung zeigt sein starkes Engagement für benachteiligte Gruppen.

Ein Vermächtnis des Dialogs und der sozialen Gerechtigkeit

Während seiner Amtszeit förderte Aichern eine neue Kultur des Gesprächs zwischen verschiedenen Interessengruppen in Kirche und Gesellschaft. Er war maßgeblich an dem Sozialhirtenbrief der Österreichischen Bischöfe von 1990 beteiligt, der einen Paradigmenwechsel in der kirchlichen Sozialverkündigung einleitete. Der Prozess dazu beinhaltete umfassende Gespräche mit kirchlichen und gesellschaftlichen Akteuren, was den Stellenwert der katholischen Kirche in sozialen und politischen Fragen unterstrich, wie zum Beispiel in Bezug auf Sonntagsschutz und Umweltpolitik.

Aichern war nicht nur in der Diözese Linz aktiv, sondern hob auch die Bedeutung der Ökumene hervor und unterstützte die Ökumenische Sommerakademie im Stift Kremsmünster. Sein Ansatz zur Verteilungsgerechtigkeit und sein Einsatz gegen soziale Ungerechtigkeiten haben bleibende Spuren hinterlassen. Bekannte Persönlichkeiten aus Kirche und Politik würdigten sein Lebenswerk und Engagement posthum als eine große Stimme der katholischen Kirche.

Erinnerungen und Hommage

Die Katholische Privat-Universität Linz plant verschiedene Initiativen, um Aicherns Andenken zu würdigen, darunter die Maximilian-Aichern-Vorlesung. Nach seinem Rücktritt 2005 blieb Aichern aktiv in liturgischen und repräsentativen Aufgaben und unterstützte damit seine Nachfolger. Sein Lebenswerk wird als bedeutendes Erbe in der katholischen Kirche und im sozialen Katholizismus in Österreich und Europa angesehen.

Ein Nachruf auf Bischof Maximilian Aichern wird am 1. Februar 2026 um 12:54 Uhr in ORF2 gesendet. In einer Zeit, in der die Bischöfe Österreichs sich in ihrer Herbstvollversammlung zur Notwendigkeit eines starken Sozialstaates äußern, wird Aicherns sozialpolitisches Erbe umso deutlicher erkennbar. Auch die aktuellen Diskussionen über Bedürftige und die Verantwortung der Gesellschaft spiegeln die Prinzipien wider, für die Aichern einstand. In diesem Kontext bleibt seine Stimme im kirchlichen und sozialen Diskurs von großer Bedeutung.