Rund 60 Schüler:innen der 4A, 4B und 4C der VS Landskron in Villach haben an einem innovativen Workshop zu Geld, Wünschen und Kosten teilgenommen. In diesem Rahmen wurde das Konzept des Taschengeld-Führerscheins vorgestellt, eines bundesweit einzigartigen Projekts, das von Andreas Pregl, dem Geschäftsführer der Kärntner Schuldnerberatung, entwickelt wurde. Bildungsreferentin und Vizebürgermeisterin Sarah Katholnig hob die Bedeutung hervor, dass Kinder frühzeitig lernen, verantwortungsvoll mit Geld umzugehen. Beim Workshop legten die Schüler:innen individuelle Sparziele fest und erlernten praktische Aspekte der Finanzbildung. Die Begeisterung und Wissbegierde der Jugendlichen wurde von Pregl als besonders positiv wahrgenommen.

Die VS Landskron ist die erste Volksschule in Villach, die diesen Taschengeld-Führerschein absolviert hat, und Katholnig ruft weitere Schulen zur Teilnahme auf. Für verschiedene Altersgruppen werden unterschiedliche Finanzworkshops angeboten, einschließlich des Taschengeld-Führerschein Klasik für Volksschulen. Die aktive Unterstützung der Gemeinde und die praxisnahe Ausgestaltung der Workshops könnten maßgeblich zur finanziellen Bildung junger Menschen beitragen.

Finanzielle Bildung als gesamtgesellschaftliche Herausforderung

Die Notwendigkeit finanzieller Bildung ist jedoch nicht nur auf Österreich beschränkt. Eine aktuelle Untersuchung zur finanziellen Bildung in Deutschland zeigt, dass nur 30% der Bevölkerung ihr Wissen über Finanzthemen als hoch einschätzt. Besonders besorgniserregend ist die steigende Verschuldung unter jungen Menschen, die häufig auf Konsumverhalten zurückzuführen ist. Professorin Carmela Aprea forderte, dass tiefere Kenntnisse in Finanzthemen nötig sind, um die Herausforderungen der heutigen Zeit zu bewältigen. In den letzten Jahren hat ein Fünftel der 14- bis 29-Jährigen Schulden angehäuft, was einen Rekordwert darstellt.

Zusätzlich zeigt eine OECD-Erhebung aus dem Jahr 2023, dass Deutschland im internationalen Vergleich überdurchschnittlich gut abschneidet, jedoch in bestimmten Gruppen und Themen Lücken bestehen. Der Mapping-Bericht hebt die Notwendigkeit hervor, eine nationale Strategie zur Verbesserung der Finanzbildung zu entwickeln. Die OECD empfiehlt, gezielt Bildungsangebote für Frauen und Selbständige auszubauen und die Methodik von Finanzbildungsinitiativen kontinuierlich zu verbessern.

Ein Schritt in die richtige Richtung

Die Bedeutung der finanziellen Bildung wird auch durch den wachsenden Wunsch unterstützt, mehr Lehrmaterialien in Schulen bereitzustellen. Die Finanztip-Stiftung bietet beispielsweise kostenloses Unterrichtsmaterial an, das von Lehrern stark nachgefragt wird. Die aktuelle Situation verdeutlicht, dass finanzielle Bildung auch über die Schulzeit hinaus fortgesetzt werden sollte, um die hohe Verschuldung älterer Menschen zu reduzieren.

In diesem Kontext wurde eine Petition zur Teilnahme Deutschlands am freiwilligen Finanzmodul der OECD-PISA-Studie ins Leben gerufen. Diese Studie erfasst seit 2000 die Kompetenzen von 15-Jährigen in verschiedenen Fächern und könnte bald auch die Finanzkompetenz einbeziehen. Bislang wurden mehr als 65.000 Unterschriften für die Petition gesammelt. Aprea und Tenhagen fordern eine frühzeitige Einführung von Finanzbildung in Schulen, um zukünftige Generationen besser auf finanzielle Herausforderungen vorzubereiten.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass sowohl in Österreich als auch in Deutschland progressiv an der Verbesserung der Finanzbildung gearbeitet wird. Workshops wie der Taschengeld-Führerschein könnten als Modell für die Integration finanzieller Bildung in Schulen dienen und einen wesentlichen Beitrag zur finanziellen Resilienz junger Menschen leisten.