Die Labour Party steht nach einer jüngsten Nachwahl in Manchester unter erheblichem Druck. Laut vienna.at verlor die Partei den Sitz im Wahlkreis Gorton and Denton an die Grünen, was als eine signifikante Niederlage gewertet wird. Die Grüne Kandidatin Hannah Spencer konnte sich mit nahezu 15.000 Stimmen durchsetzen und hat nun die Unterstützung der Wähler in einem Wahlkreis gewonnen, in dem 28% der Wähler Muslime sind. Dies könnte einen Beitrag zu ihrem Erfolg geleistet haben.
Im Gegensatz dazu landete die Labour-Kandidatin Angeliki Stogia auf dem dritten Platz hinter dem Reform UK-Kandidaten Matt Goodwin, der rund 10.500 Stimmen erhielt. Stogia konnte lediglich etwas mehr als 9.300 Stimmen sammeln. Diese Nachwahl wurde nötig, da der bisherige Labour-Abgeordnete aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat.
Politische Folgen und interne Probleme
Die Ergebnisse der Wahl werfen ein Schatten auf die Führungsstärke von Labour-Chef Keir Starmer. Wie tagesschau.de berichtet, sieht sich Starmer nicht nur in der Kritik wegen des Verschwindens der Labour-Stimmen, sondern auch aufgrund von Rücktrittsforderungen im Zusammenhang mit dem Epstein-Skandal. Trotz der internen Turbulenzen bekräftigte Starmer, dass er im Amt bleiben will. Seine Entscheidung, Peter Mandelson zum Botschafter in den USA zu ernennen, wurde heftig kritisiert, vor allem wegen Mandelsons früheren Verbindungen zu Epstein.
Die Probleme innerhalb der Labour Party werden weiter verstärkt durch das Ausscheiden zweier enger Berater Starmers, die sich aufgrund der Kontroversen zurückzogen. Diese Entwicklungen verdeutlichen die fragile Position von Starmer und die Herausforderungen, die die Partei in der bevorstehenden Wahl bewältigen muss.
Wahlsystem und Auswirkungen auf kleinere Parteien
Die Wahlergebnisse sind auch ein Abbild des britischen Mehrheitswahlrechts, das große Parteien begünstigt und kleinere Parteien benachteiligt. Bei diesem als „First past the post“ bekannten System zieht nur der Sieger eines Wahlkreises ins Unterhaus ein, während alle anderen Stimmen verloren gehen, was insbesondere für Parteien wie die Grünen eine große Herausforderung darstellt. Politikwissenschaftler Tim Bale weist darauf hin, dass dies die Wähler dazu zwingt, taktisch zu wählen und sich oft gegen ihre eigentlichen Präferenzen zu entscheiden, um die Konservativen zu verhindern.
Die Grünen haben durch den Sieg von Spencer nun insgesamt fünf Sitze im britischen Unterhaus. Diese Entwicklung wirft Fragen zu den Chancen der Partei auf, insbesondere da Caroline Lucas, die einzige Abgeordnete der Grünen, angekündigt hat, nicht mehr anzutreten. Angesichts der aktuellen Umfragen und der Ungewissheit über das Wahlsystem bleibt abzuwarten, wie sich die Chancen der Grünen bei künftigen Wahlen entwickeln.
Während die Diskussion über eine mögliche Reform des Wahlrechts an Fahrt gewinnt, insbesondere wenn kleine Parteien wie Reform UK an Unterstützung gewinnen, bleibt die Frage, ob die britischen Wähler bereit sind, sich für ein Verhältniswahlrecht zu entscheiden, das eine gerechtere Repräsentation ermöglichen könnte. Die letzten Wahlkämpfe haben gezeigt, dass viele Wähler trotz des Desinteresses, das sie gegenüber großen Parteien hegen, sich gezwungen sehen, ihre Stimmen strategisch zu vergeben.