Am Freitag wurde ein bedeutendes Memorandum veröffentlicht, das von namhaften Persönlichkeiten der Kunst- und Kulturszene unterzeichnet wurde. Unter diesen befinden sich Literaturnobelpreisträger wie Elfriede Jelinek und Peter Handke, sowie der Musiker Hubert von Goisern, der vielseitige Künstler André Heller und der Galerist Thaddaeus Ropac. Sie fordern eine klare Einhaltung der gesetzlich festgelegten Kompetenzverteilung bei den Festspielen, die der Kontrolle des Kuratoriums finanzieller Angelegenheiten vorbehalten ist. Das Memorandum ist ein markanter Ausdruck der Unterstützung für Intendant Markus Hinterhäuser und dessen künstlerische Freiheit.
Das Kuratorium hatte nach dem Ende des Dienstverhältnisses mit der Schauspielchefin Marina Davydova eine transparente Vorgehensweise und eine entsprechende Ausschreibung gefordert. Dies führte dazu, dass sich insgesamt 23 Kandidatinnen und Kandidaten um die Position beworben haben. Aus dieser Gruppe wurden sechs Personen zum Hearing eingeladen, von denen fünf tatsächlich erschienen sind. Medienberichten zufolge könnte Karin Bergmann als Favoritin für die Position bezeichnet worden sein, obwohl sie nicht am Auswahlverfahren teilgenommen hat.
Reaktionen und Konsequenzen
Am 3. Februar fand zudem eine Sondersitzung des Kuratoriums statt, in der vereinbart wurde, dass sich der Intendant dem Kuratorium erklären muss. Dies wurde von Karoline Edtstadler, der Kuratoriumsvorsitzenden, als eine „Gelbe Karte“ bezeichnet. Bürgermeister Bernhard Auinger hat in diesem Zusammenhang die Möglichkeit in den Raum gestellt, die Vertrauensfrage zu stellen. Diese Entwicklungen zeigen das Spannungsfeld zwischen künstlerischer Freiheit und den Anforderungen an Transparenz und Mitbestimmung im Kulturbereich auf.
Die kulturelle Landschaft in Deutschland und Österreich ist geprägt von der Debatte um die Rolle der Kulturpolitik. Historisch betrachtet wurde Kulturpolitik oft zur Ausgrenzung verwendet, wie die Beispiele aus dem Kolonialismus und dem Nationalsozialismus zeigen. In Deutschland wird bei Kulturpolitik häufig Kunstpolitik verstanden; sie zieht sich durch alle gesellschaftlichen Bereiche, seien es kommunale, Landes- oder internationale Aspekte. Der Einfluss von politischen Akteuren auf die Kunstlandschaft ist nach wie vor enorm, was Auswirkungen auf die Künstlerfreiheit hat.
In der Bundesrepublik garantiert Artikel 5 des Grundgesetzes die Freiheit von Kunst und Wissenschaft und soll verhindern, dass sich Gräueltaten der Vergangenheit wiederholen. Der Etat des Bundesministerium für Kultur und Medien (BKM) ist auf etwa 2,5 Milliarden Euro gestiegen, was den immer größer werdenden Stellenwert von Kultur- und Kunstförderung unterstreicht. Dennoch gibt es berechtigte Sorgen, dass politische Einflussnahme auf die Kunstfreiheit Einschränkungen zur Folge haben könnte. Die Zukunft der Demokratie könnte stark davon abhängen, wie gut Kunstinstitutionen in der Lage sind, demokratische Verantwortung zu übernehmen und künstlerischen Austausch zu fördern.
In diesem Kontext ist das unterstützende Klimax für Intendant Hinterhäuser von besonderer Bedeutung. Er und die von ihm geförderten künstlerischen Initiativen stehen unter dem Druck, sich mit den Erwartungen und Forderungen des Kuratoriums auseinanderzusetzen. Die kommenden Wochen könnten entscheidend dafür sein, wie sich die künstlerische Freiheit im österreichischen Kulturraum entwickeln wird.