Die geplante Eröffnung einer Long-Covid-Ambulanz an der Universitätsklinik für Psychiatrie im AKH Wien wird von verschiedenen Experten kritisch betrachtet. Insbesondere Psychiater Georg Schomerus vom Uni-Klinikum Leipzig äußert Bedenken, die Annahme einer Ähnlichkeit zwischen Long Covid und Depression zu unterstützen. Während die Planungen für die Ambulanz kurz vor dem Abschluss stehen, ist der genaue Eröffnungstermin noch nicht festgelegt. Interessierte können sich bereits vormerken lassen, um an Behandlungen teilnehmen zu können. ORF und das Magazin Datum berichteten im Vorjahr über Behandlungsversuche von Lucie Bartova, die in der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie durchgeführt wurden.
Das Behandlungskonzept, das Bartova entwickelt hat, orientiert sich an einem Schema für therapieresistente Depressionen und umfasst eine Kombination aus Phytotherapie, Antidepressiva sowie Psychopharmaka. In diesem Kontext wird von mehreren Patienten auch die Ketamin-Therapie als potenzielle Behandlungsoption in Betracht gezogen. Diese Medikation könnte insbesondere bei ihnen helfen, da sie Symptome wie Erschöpfung, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen sowie chronische Schmerzen aufweisen, die auch bei Depressionen vorkommen.
Kritik an der Einordnung von Long Covid
Schomerus unterstreicht, dass Long Covid und Depression klinisch signifikante Unterschiede aufweisen. Er warnt vor Fehlbehandlungen, die durch Verwechslungen zwischen diesen beiden Krankheitsbildern entstehen könnten. Weiterhin hebt er die Gefahr hervor, dass eine psychiatrische Einordnung von Long Covid negative Auswirkungen auf die medizinische Versorgung und möglicherweise auch auf die klassifizierenden Verfahren im Sozialrecht haben könnte, insbesondere bei Begutachtungen für Invaliditätspensionen.
Zusätzlich erkennt Schomerus den biologischen Ansatz von Bartovas Konzept an, sieht jedoch die psychiatrische Einordnung als irreführend an. Studien belegten demnach physische Veränderungen bei Patienten mit ME/CFS und Long Covid, die durch gezielte Grundlagenforschung weiter untersucht werden sollten. Für eine wirksame Therapie von Long Covid könnten die Long-Covid-Ambulanzen vielmehr in den Bereichen Immunologie und Neurologie verortet werden, wie Schomerus und der Kollege Grande empfehlen.
Langfristige Behandlungsmöglichkeiten
Die ketaminbasierte Therapie gewinnt zunehmend an Aufmerksamkeit in der Schmerztherapie und zeigt positive Effekte auf depressive Symptome, wie in verschiedenen Studien dokumentiert ist. Ketamin wird seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt und zeigt antiinflammatorische Wirkungen, die bei Patienten mit erhöhtem TNF-Alpha besonders ausgeprägt sind. Diese Therapieoption könnte für Patienten mit Long Covid von besonderem Interesse sein, da sich Ketamin sowohl positiv auf die Depressionen als auch auf Symptome wie Fatigue auswirken könnte.
Obwohl einige Studien keine signifikanten Effekte von Ketamin auf die Fatigue-Symptomatik feststellen konnten, zeigten andere, dass es eine enge Verknüpfung zwischen Fatigue und Depression gibt. Der vielversprechende Therapieansatz mit Ketamin in Kombination mit Neurofeedback wird für Personen mit hohen Bell-Scores und depressiven Komponenten als besonders geeignet erachtet. In diesem Zusammenhang werden auch ergänzende Ansätze zur Unterstützung der Genesung von Long Covid geprägt, wie Bewegungstherapie, eine entzündungshemmende Ernährung, Atemtechniken sowie die Teilnahme an Selbsthilfegruppen.
Generell wird die Forschung zur Ketamintherapie bei Long Covid in mehreren wissenschaftlichen Studien untersucht, das Interesse an effektiven Behandlungsmöglichkeiten steigt jedoch stetig. Angesichts der Heterogenität von Long Covid könnte ein differenzierter therapeutischer Ansatz, der sowohl psychische als auch physische Symptome berücksichtig, eine vielversprechende Richtung darstellen. Dies könnte helfen, die Lebensqualität der Betroffenen langfristig zu verbessern.
Für weitere Informationen über die geplante Long-Covid-Ambulanz und die diskutierten Behandlungsmöglichkeiten besuchen Sie die Artikel von 5min (5min), Schmerztherapie Baden-Baden (Schmerztherapie Baden-Baden) und Amayu (Amayu).