Im Wiener Stephansdom sind ab Aschermittwoch bis zum 7. Juni 2026 insgesamt 77 Kreuzarbeiten des renommierten Künstlers Arnulf Rainer zu sehen. Diese Ausstellung trägt den Titel „Das Kreuz – Das Zeichen, das bleibt“ und wird vom Wiener Domkapitel in Zusammenarbeit mit dem Kunstsammler Werner Trenker ausgerichtet. Trotz der ursprünglichen Zustimmung des Künstlers zu dieser Präsentation, wurde die Genehmigung später von seinem Anwalt widerrufen. Dennoch entschied sich der Dompfarrer Toni Faber für die Umsetzung der Schau. Die Situation bezeichnete er als „schwierig“, jedoch als eine Möglichkeit zur Förderung des Dialogs über die existenziellen Fragen, die das Kreuz aufwirft.

Die gezeigten Werke umfassen vor allem Kaltnadelradierungen, die zwischen 1956 und 2014 entstanden sind, sowie einige großformatige Kreuzarbeiten aus den 1980er- und 1990er-Jahren. Rainer, der im Dezember 2025 im Alter von 96 Jahren verstarb, wollte nie als „Kirchenmaler“ gelten und wehrte sich gegen eine Vereinnahmung seiner Kunst. Dennoch beschäftigte er sich intensiv mit dem Kreuzmotiv, was sich durch sein gesamtes Schaffen zieht. Die Zahl der ausgestellten Arbeiten wurde bewusst auf 77 festgelegt.

Künstlerische Vielfalt im Stephansdom

Die Werke sind an verschiedenen Orten im Stephansdom positioniert, darunter in der Vierung, Nordturmhalle und der Barbarakapelle. Dombaumeister Wolfgang Zehetner betont die Herausforderungen, die sich bei der Präsentation der Kunst im historischen Raum ergeben. In der Barbarakapelle erhalten die Zuschauer die Möglichkeit, die kleineren Formate aus der Nähe zu betrachten. Die Ausstellung zeigt eine Gruppe von Werken, die nach Farbe und Format gegliedert sind, jedoch keine eindeutige stilistische Entwicklung beschreiben.

Zur Eröffnung der Ausstellung am Dienstagabend sprachen Bundeskanzler Christian Stocker und Erzbischof Josef Grünwidl. Diese prominente Unterstützung soll helfen, das künstlerische Erbe Rainers über konfessionelle Grenzen hinaus zu würdigen. Rainer war ein bedeutender Vertreter der heimischen Nachkriegskunst und erlangte internationale Berühmtheit durch seine Übermalungen und Radierungen.

Der Kurator Pater Friedhelm Mennekes hat das Projekt über eineinhalb Jahre begleitet und koordiniert, während ein wissenschaftlicher Beirat, zu dem unter anderem Gustav Schörghofer und Johanna Schwanberg gehören, das Vorhaben unterstützte. Der Zugang zur Ausstellung steht Besuchern täglich bis zum 7. Juni offen und die Organisatoren erwarten eine breite Resonanz.