Tiwag, der landeseigene Energieversorger in Tirol, sieht die Verzögerung von drei Monaten bei der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für das Kraftwerk Kaunertal gelassen. Vorstandsdirektor Alexander Speckle äußerte sich auf einer Pressekonferenz und kritisierte die generelle Verfahrensdauer von rund 15 Jahren für Großprojekte. Laut Dolomitenstadt könnte ein Bescheid für das Kraftwerk Kaunertal frühestens im Jahr 2027 ergehen, da das Umweltverträglichkeitsgutachten nicht vor dem Sommer vorliegen wird.
Die mündliche Verhandlung wird sich ebenfalls verzögern, was voraussichtlich den Bescheid auf das kommende Jahr verschiebt. Speckle betonte, dass in das Gutachten die Beurteilungen von 51 Gutachtern aus 46 Fachgebieten einfließen werden. Das finale Gutachten wird mehrere Tausend Seiten umfassen, was die Komplexität des Verfahrens verdeutlicht. Der ursprüngliche Zeitplan der Behörde wurde von Speckle als „extrem sportlich“ bezeichnet.
Wirtschaftliche Auswirkungen und Notwendigkeit des Projekts
Die Tiwag plant, bis 2030 insgesamt 2,4 Milliarden Euro zu investieren, wobei 585 Millionen Euro für dieses Jahr eingeplant sind. Von den bereits in Bau befindlichen Kraftwerksprojekten in Kühtai, Osttirol und Imst-Haiming werden 1,6 Milliarden Euro investiert, von denen 27% an Tiroler Betriebe fließen. Professor Christian Helmenstein von der Wirtschaftsuniversität präsentierte eine Studie, die besagt, dass diese Investitionen eine Bruttowertschöpfung von fast einer Milliarde Euro in Tirol auslösen könnten. Zudem wird erwartet, dass das Projekt während der Bauphase 3.200 Arbeitsplätze schafft und 654 Millionen Euro an den österreichischen Staat zurückfließen werden.
Die Notwendigkeit des Projekts für Tirol wurde von Speckle unterstrichen, auch wenn er unklar ließ, ob der geplante Baustart im Jahr 2029 wie ursprünglich vorgesehen stattfinden kann. Diese Verzögerungen kritisierte auch der WWF, der Tiwag einen „Tunnelblick“ vorwarf und eine naturverträgliche Energiewende anstelle des Kaunertal-Ausbaus fordert. In dieser Diskussion äußerten sich auch die Tiroler Grünen kritisch und sprachen sich für alternative Lösungen, wie beispielsweise Photovoltaikanlagen auf Großparkplätzen, aus.
Hintergrund zur Energiewende in Tirol
Tirol hat in den letzten Jahrzehnten mit einer erheblichen Zunahme der Treibhausgasemissionen zu kämpfen. Laut Erneuerbare Energie sind die Treibhausgase in den letzten 30 Jahren um 18% angestiegen, während die Emissionen seit 2005 um 7% gesenkt wurden. Um bis 2040 den Treibhausgasausstoß zu beenden, müssen diese Reduktionsanstrengungen in den kommenden Jahren signifikant erhöht werden. In der aktuellen Situation ist Tirol von einem Energieexporteur zu einem Importeur geworden, was die Dringlichkeit der Energiewende unterstreicht.
Um die Energiewende erfolgreich zu gestalten, könnte es notwendig sein, die vorhandenen erneuerbaren Potenziale in der Wasserkraft und Photovoltaik stärker zu nutzen. Erste Windkraftwerke sollen in den kommenden Jahren realisiert werden, um Tirols Energieversorgung nachhaltiger zu gestalten und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren.