Am 21. März 2026 sorgt ein Video auf einem Instagram-Account von Schülern der HAK Lustenau für Aufregung. Der Account zeigt Inhalte, die unter anderem Israel-Boykott, inszenierte Gewalt gegen Mädchen und religiöse Gruppengebete umfassen. Im Zentrum des Kontroversen steht ein Video, das das Fastenbrechen im Ramadan dokumentiert, bei dem die Geschlechter strikt getrennt gebetet haben. Burschen waren sichtbar vorne aufgestellt, während die Mädchen dahinter knieten. Diese Geschlechtertrennung hat bei Beobachtern Besorgnis hervorgerufen, insbesondere in Bezug auf das Frauenbild, das in den Videos vermittelt wird.
Im Vorjahr hatte derselbe Schüleraccount bereits ein ähnliches Video veröffentlicht, in dem die Schülerinnen ebenfalls hinter den Burschen knieten. Obwohl das erste Video als herzliche Einladung für alle dargestellt wurde, vermitteln die Bilder einen anderen Eindruck als die beabsichtigte Botschaft. Anfragen an die Schulleitung bezüglich der Nutzung von Schulbereichen für religiöse Praktiken und zur Bewertung des Frauenbildes blieben bis Redaktionsschluss unbeantwortet.
Reaktionen und gesellschaftliche Spaltung
Die aktuelle Situation wirft nicht nur Fragen zur Geschlechtertrennung an Schulen auf, sondern spiegelt auch tiefere gesellschaftliche Spannungen wider, die in vielen Ländern sowohl im Islam als auch im Judentum wahrnehmbar sind. In Israel beispielsweise kam es kürzlich zu Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit einem geschlechtergetrennten Gebet während Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag. Die jüdisch-orthodoxe Organisation Rosch Jehudi wollte auf dem Dizengoff-Platz in Tel Aviv ein solches Gebet veranstalten, doch ein Urteil des Obersten Gerichts und der Stadtverwaltung untersagte dieses Vorhaben.
Gegendemonstranten verhinderten die Organisation des geschlechtergetrennten Gebets. Eran Neuman, ein anwesender Gegendemonstrant, sprach von einer angespannten Atmosphäre und hinderte die Organisatoren daran, Sichtbarrieren aufzustellen. Er betonte, dass orthodoxe Gruppen ihre Regeln nicht im öffentlichen Raum durchsetzen sollten. Trotz der rechtlichen Vorgaben und der Proteste kündigte Rosch Jehudi an, die Veranstaltung fortzuführen. Dies geschah vor dem Hintergrund einer anhaltenden politischen Krise in Israel, die sich seit Jahresbeginn verstärkt hat, unter anderem durch eine geplante Schwächung der Justiz durch die Regierung.
Hintergrund der Geschlechtertrennung
Die Geschlechtertrennung in religiösen Praktiken hat tiefere Wurzeln. Viele der großen Weltreligionen entstanden in patriarchal organisierten Gesellschaften vor 2.500 bis 1.500 Jahren, was sich in ihren Glaubenspraktiken widerspiegelt. Religiöse Gebote zur Geschlechtertrennung sind oft als gottgegeben angesehen und ergeben sich aus der Notwendigkeit, gesellschaftliche Strukturen und Rollen zu regulieren. In vielen Religionen, einschließlich des Judentums, Christentums und Islams, ist die Trennung in Gottesdiensten gängige Praxis, sei es durch getrennte Räume oder Sichtbarrieren.
In modernen Gesellschaften jedoch wird die strikte Geschlechtertrennung zunehmend hinterfragt. Insbesondere jüngere religiöse Bewegungen, wie die Bahai-Gemeinschaft, tendieren dazu, diese traditionellen Praktiken zu meiden. Gleichzeitig gibt es innerhalb konservativer Gruppen häufig ein starkes Festhalten an Geschlechterrollen. Auch im Islam wird die Geschlechtertrennung unterschiedlich interpretiert, wobei regional kulturelle Unterschiede, wie der Umgang mit dem „dritten Geschlecht“ in Pakistan, einen weiteren Aspekt darstellen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Diskussion um Geschlechtertrennung sowohl in der Bildungslandschaft als auch in der religiösen Praxis relevante und komplexe Fragen aufwirft, die weit über individuelle Fälle hinausgehen.


