Die aktuellen wirtschaftlichen Prognosen für Österreich und Deutschland sind von einem trüben globalen wirtschaftlichen Umfeld geprägt, insbesondere durch den anhaltenden Krieg im Iran. Laut vienna.at haben das Wirtschafts-forschungsinstitut Wifo und das Institut für höhere Studien (IHS) ihre Konjunkturprognosen für Österreich stark nach unten korrigiert. Wifo rechnet für 2026 mit einem Wachstum von lediglich 0,9 Prozent, während IHS gar von nur 0,5 Prozent ausgeht. Die Inflationserwartungen sowohl von Wifo (2,7%) als auch von IHS (2,9%) übersteigen die Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2% deutlich.
Die Unsicherheiten durch den Iran-Konflikt und die damit verbundenen steigenden Energiepreise tragen maßgeblich zur trüben wirtschaftlichen Stimmung bei. Im Herbst 2022 war ein optimistisches Wachstum von 1,2% (Wifo) bzw. 1,0% (IHS) für 2026 prognostiziert worden. Nach einem kurzen Rückblick auf die letzten Jahre, in denen Österreich 2023 und 2024 in einer Rezession war, prognostizieren beide Institute nun ein bescheidenes BIP-Wachstum von 0,6% im Jahr 2025.
Konjunkturelle Herausforderungen in Deutschland
Der Iran-Krieg hat auch drastische Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Nach dem jüngsten Bericht von sueddeutsche.de wird erwartet, dass die Wachstumsprognosen für 2026 auf etwa 0,6 Prozent halbiert werden. Dies steht im krassen Gegensatz zu den früheren Erwartungen, die im Herbst 2022 noch bei 1,3 Prozent lagen. Energiepreise steigen nicht nur in Deutschland, sondern auch im gesamten Euro-Raum, was die Inflation im März 2026 auf 2,7 Prozent ansteigen ließ.
Die Stimmung in der Wirtschaft ist dementsprechend schlecht. Eine Umfrage zeigt, dass 90% der Industrieunternehmen in Deutschland unter den Auswirkungen des Konflikts leiden. Auch die Bundesagentur für Arbeit erkennt, dass die Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt ohne nennenswerten Schwung bleibt. Trotz eines Rückgangs der Arbeitslosenzahlen auf über drei Millionen, bleibt die Arbeitslosenquote bei 6,4 Prozent. Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz versucht, die Wirtschaft anzukurbeln, steht jedoch vor erheblichen Herausforderungen.
EU-Prognosen und Defizitmaßnahmen
Die EU-Kommission hob zwar die Prognose für Deutschland leicht an, dennoch bleibt das Land hinter dem europäischen Durchschnitt zurück. In der jüngsten Analyse von tagesschau.de wird ein BIP-Anstieg von 1,2 Prozent für 2026 erwartet, was jedoch weiterhin unter dem EU-Durchschnitt von 1,4 Prozent liegt. Tatsächlich zählt Deutschland zu den Schlusslichtern in der Wirtschaftsentwicklung innerhalb der EU, wobei nur Finnland mit 0,1 Prozent geringeren Wachstumsprognosen aufwartet.
Angesichts dieser Herausforderungen stellt die Bundesregierung fest, dass das Budgetdefizit 2026 bei etwa 4,1% des BIP liegen könnte, deutlich über dem EU-Maastricht-Grenzwert von 3%. Ein Korrekturbedarf von 2 Milliarden Euro wurde erkannt, und die Bundesregierung strebt eine Reduktion des Defizits bis 2028 auf 3,0% an. Diese Frühjahrsprognose wird als Basis für Gespräche über das Doppelbudget 2027/28 dienen.
Zusammenfassend wird deutlich, dass sowohl Österreich als auch Deutschland vor erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen stehen, die durch den Iran-Konflikt und die steigenden Energiepreise verstärkt werden. Marktanalysen und nationale Prognosen müssen dringend überdacht werden, um auf die sich rasch verändernden globalen Bedingungen zu reagieren.