Die Kollektivvertragsverhandlungen (KV) für die Gastronomie und Hotellerie sind gegenwärtig ausgesetzt. Dies wurde als Folge der scharfen Angriffe des Gewerkschafters Roman Hebenstreit von der Gewerkschaft vida bekannt gegeben. Hebenstreit bezeichnete den Zustand der Branche als „systematischen Subventionsmissbrauch“ und sprach von „millionenschwerem Sozialbetrug“ in einer Aussendung. Diese Äußerungen stießen auf massive Empörung seitens der Arbeitgeber, die Hebenstreits Tonfall als „untergriffig“ einstufte und eine „rote Linie“ überschritten sahen.
In einem offenen Brief wandten sich die Obleute der Fachverbände Hotellerie und Gastronomie an die Öffentlichkeit und kritisierten die Äußerungen Hebenstreits. Sie forderten eine konstruktive Zusammenarbeit, um den Kollektivvertrag voranzubringen. Derzeit wird die Grundlage für seriöse Gespräche als nicht gegeben erachtet, was die Aussetzung der KV-Verhandlungen zur Folge hatte. Hebenstreit äußerte Bedauern über diese Reaktion und forderte eine rasche Wiederaufnahme der Gespräche, während für etwa 200.000 bis 240.000 Beschäftigte, die im Regime des Hotellerie-/Gastro-Kollektivvertrags arbeiten, Ungewissheit herrscht.
Kritik an jahrzehntelangen Missständen
Die Gewerkschaft vida kritisiert zudem die positiven Berichte über Rekorde bei Nächtigungen und Ankünften im österreichischen Tourismus. Laut Hebenstreit wird diese Erfolgsrhetorik genutzt, um gravierende Fehlentwicklungen im Sektor zu maskieren. Er spricht von einer moralischen Schieflage und wirtschaftlichen Missständen, bei denen Gewinne privatisiert und Risiken auf die Allgemeinheit abgewälzt werden. Die COFAG erhalte Milliarden an Steuergeldern ohne soziale oder beschäftigungspolitische Gegenleistungen.
Darüber hinaus kritisiert Hebenstreit, dass große Konzerne hohe Förderungen erhalten, während sie gleichzeitig Dividenden ausschütten und Personal abbauen. Diese Praktiken tragen dazu bei, dass Finanz- und Sozialbetrug in der Branche vorkommen, einschließlich gehorteter Schwarzgelder und manipulierten Registrierkassensystemen. Er bezeichnet diese Vorgänge als organisierte Wirtschaftskriminalität.
Strukturelle Reformen gefordert
Die Probleme sind nicht nur auf individuelle Betriebe beschränkt, sondern betreffen auch die allgemeine Arbeitsweise in der Branche. So zeigt sich, dass jedes vierte Tourismusunternehmen systematisch Arbeitnehmer:innen beim Arbeitsmarktservice (AMS) „zwischenparkt“, was zu jährlichen Kosten von bis zu 700 Millionen Euro führen kann. Die lange Sicht auf die Einkommensperspektiven dieser Beschäftigten wird durch solche Praktiken stark beeinträchtigt.
Hebenstreit fordert daher strukturelle Reformen anstelle von weiteren staatlichen Unterstützungen. Zu den konkreten Forderungen gehören unter anderem Experience Rating in der Arbeitslosenversicherung sowie eine konsequente Bekämpfung von Steuer- und Sozialbetrug. Aus seiner Sicht verdienen ausschließlich verantwortungsvolle Betriebe öffentliche Unterstützung.
Zusätzlich wurde von der Gewerkschaft Mängel bei den Kontrollen durch die Arbeitsinspektion bemängelt. Es wurde festgestellt, dass häufig Verstöße gegen Arbeitszeitregelungen und Missachtungen des Jugendschutzes vorkommen, was die ohnehin allerede angespannte Situation im hotellerie- und gastronomischen Sektor weiter verschärft.
Die Zukunft der KV-Verhandlungen bleibt unklar, während die Arbeitnehmer in der Branche auf eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen hoffen. Der Druck auf die Arbeitgeber scheint gewachsen, eine konstruktive Lösung zu finden, um das Vertrauen zwischen den Parteien wiederherzustellen und den Beschäftigten eine sichere Perspektive zu bieten.