Eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), veröffentlicht in der Fachzeitschrift PNAS, hat alarmierende Prognosen über die globale Weidewirtschaft aufgestellt. Laut den Untersuchungen könnten bis zum Jahr 2100 zwischen 36 und 50 Prozent der klimatisch geeigneten Weideflächen ihre Nutzbarkeit verlieren. Diese drastische Veränderung würde über 100 Millionen Menschen, die auf die Weidehaltung von Rindern, Schafen und Ziegen angewiesen sind, sowie bis zu 1,6 Milliarden Weidetiere betreffen. Ökonews berichtet über die Details.

Die Studie hebt hervor, dass Weideflächen etwa ein Drittel der Erdoberfläche bedecken und das größte landwirtschaftliche Produktionssystem weltweit darstellen. Diese Flächen sind jedoch stark von Umweltfaktoren abhängig, wie etwa Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wasserverfügbarkeit. Der Klimawandel verschiebt nicht nur die klimatisch geeigneten Bereiche für die Weidehaltung, sondern verkleinert sie auch weltweit.

Besondere Auswirkungen auf Afrika

Besonders stark betroffen ist Afrika, wo die geeigneten Graslandflächen um bis zu 65 Prozent schrumpfen könnten, abhängig vom gewählten Emissionsszenario. Aktuell ist die Region bereits mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert. In Ostafrika leidet die Bevölkerung unter Nahrungsmittelknappheit, was durch häufige und heftige Dürren, die sich am Horn von Afrika häufen, verschärft wird. Laut einem Bericht von n-tv sind die Massai und Samburu in Kenia sowie nomadisierende Viehzüchter bereits mit extremen Bedingungen konfrontiert.

Die Temperaturen in vielen afrikanischen Regionen liegen bereits am oberen Rand des für die Weidehaltung klimatisch verträglichen Bereichs. In Ländern wie Somalia wurde kürzlich ein Dürrenotstand ausgerufen, während in Kenia nach schlechten Ernteerträgen rund zwei Millionen Menschen unter Nahrungsunsicherheit leiden. Die WHO macht auf die besorgniserregenden Zustände aufmerksam.

Notwendigkeit schnelles Handeln

Die Studie beschreibt einen als „klimatisch günstig“ eingestuften Bereich für die Weidehaltung, der Temperaturen zwischen −3 und 29 Grad Celsius, jährliche Niederschläge von 50 bis 2627 Millimetern, Luftfeuchtigkeit von 39 bis 67 Prozent und Windgeschwindigkeiten zwischen 1 und 6 Metern pro Sekunde berücksichtigen muss. Diese günstigen Bedingungen werden jedoch durch den Klimawandel zunehmend gefährdet. Deutschlandfunk hebt hervor, dass langjährige Anpassungsstrategien wie die Umstellung auf andere Tierarten oder saisonale Wanderung von Herden unzureichend sein könnten.

Um die Risiken für die Weidewirtschaft zu begrenzen und den Unruhen in der Region entgegenzuwirken, ist eine schnelle Abkehr von fossilen Energieträgern sowie eine deutliche Reduktion der Emissionen erforderlich. Andernfalls könnten die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen und Tieren in den kommenden Jahrzehnten verloren gehen.