In Österreich stehen die Fortschritte in der energetischen Sanierung öffentlicher Gebäude auf der Kippe. Johannes Wahlmüller von der NGO Global 2000 hat die Bundesregierung scharf dafür kritisiert, dass es an konkreten Maßnahmen zur Erreichung der Klimaneutralität fehlt. Ein aktueller Report von Global 2000 weist darauf hin, dass die Renovierungsquote von lediglich 3 % laut EU-Energieeffizienzrichtlinie bei weitem nicht erreicht wird, was die Transformation des Gebäudesektors erheblich behindert. Zudem geben Datenlücken Anlass zur Sorge, da eine aussagekräftige Sanierungsrate bislang nicht berechnet werden konnte.
Der Bericht verdeutlicht alarmierend, dass knapp ein Viertel der Flächen in öffentlichen Gebäuden mit Öl oder Gas beheizt wird. Während 64 % der Gebäude Fernwärme nutzen, decken Wärmepumpen und Biomasse nur 11 % des Heizbedarfs ab. In Tirol ist der Anteil fossil beheizter Flächen mit 54 % besonders hoch; in Niederösterreich und Vorarlberg beträgt dieser jeweils 26 %. Im Gegensatz dazu ist der fossile Anteil in Wien mit 5 % relativ niedrig, was auf die gut ausgebaute, jedoch teilweise mit Erdgas betriebene Fernwärme zurückzuführen ist. Kärnten hingegen zeigt sich als Vorreiter, da hier nur 0,4 % der Heizsysteme fossil betrieben werden.
Herausforderungen und Chancen der Wärmewende
Die energetischen Sanierungen sind dabei nicht nur eine Frage des Klimaschutzes, sondern auch eine wirtschaftliche Chance. Sie gelten als hocheffiziente Investitionen, die sowohl Arbeitsplätze schaffen als auch die Energiekosten senken und die inländische Wertschöpfung erhöhen können. Der Gebäudebereich benötigt gerechtfertigter Weise dringend Reformen, da er die Klimaziele verfehlt und bis 2030 eine Emissionsminderung von 8,3 Millionen Tonnen pro Jahr erforderlich wäre. Derzeit stagnieren die Sanierungsraten bei unter 1 %, während ein Zielwert von 1,5–2 % angestrebt wird.
Die Umweltbundesamt hebt hervor, dass die Kommunen hier eine entscheidende Rolle spielen können. Durch die Einführung von kommunalen Wärmeplänen (KWP) könnten sie die Umstellung der Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien vorantreiben. Diese strategischen Planungsinstrumente sollen regelmäßig aktualisiert werden, um den Fortschritt zu dokumentieren. Zudem hat die Bundesregierung verschiedene regulatorische Instrumente und Förderprogramme geschaffen, um die Wärmewende zu unterstützen und die nationalen Klimaziele gemäß dem Bundes-Klimaschutzgesetz zu erreichen.
Implikationen für die Zukunft
Das Impulspapier der dena betont die Notwendigkeit einer systematischen Transformation der gesamten Gebäudeinfrastruktur. Maßnahmen wie die energetische Sanierung der Gebäudehülle und der Austausch fossiler Heizungen durch Systeme auf Basis erneuerbarer Energien, wie Wärmepumpen, sind hier entscheidend. Zudem müssen Förderstrukturen kontinuierlich verbessert werden, um eine inklusive Wärmewende zu gewährleisten.
Besonders relevant erscheint die Energiepreiskrise von 2022, die die Dringlichkeit eines effizienteren Umgangs mit Energie unterstrichen hat. Ein zielerreichender Plan könnte den Energiebedarf und die Netzlast signifikant reduzieren, was auf die Bedeutung einer konzertierten Vorgehensweise hinweist. Die Diskussion um dezentrale und erneuerbare Wärmequellen nimmt in dieser Hinsicht eine zentrale Rolle ein und zeigt das große Potential der heutigen Herausforderungen im Kontext der Klimapolitik.
Abschließend bleibt festzuhalten, dass ohne eine ambitionierte Sanierung der Gebäude eine signifikante Erhöhung des Bedarfs an Netzausbau und CO₂-neutralen Energieträgern droht. Es ist an der Zeit, dass die Politik eine klare Linie verfolgt und die notwendigen Schritte zur Förderung nachhaltiger Wärmewende umsetzt.
Für weitere Informationen zu den Herausforderungen des Gebäudesektors und den Plänen zur Dekarbonisierung besuchen Sie oekonews, Umweltbundesamt und dena.