Die aktuelle Wetterlage und die intensivierte Forschung zu Wetterphänomenen wie El Niño werfen großes Licht auf zukünftige globale Entwicklungen. Die NOAA hat im Februar 2026 die Methode zur Klassifikation von El Niño und La Niña überarbeitet, die erste Reform seit 75 Jahren. Der neue Relative Oceanic Niño Index (RONI) bewertet die Wassertemperatur im zentralen Pazifik im Vergleich zur durchschnittlichen Anomalie des gesamten tropischen Ozeans, um die Auswirkungen des Klimawandels besser zu berücksichtigen. Damit wird der bisher verwendete Oceanic Niño Index (ONI) abgelöst, der ausschließlich die Temperatur im zentralen Pazifik maß und berücksichtigt nun auch umfassendere Klimadaten.

Diese neuen Erkenntnisse stammen aus einer umfassenden Studie japanischer Wissenschaftler, die den Temperaturanstieg der Erde seit 2023 dem Zusammenspiel von La Niña, El Niño und der Erderwärmung durch Treibhausgase zuschreiben. Aktuelle Prognosen des IRI-Modellensembles zeigen zudem eine 58-prozentige Wahrscheinlichkeit für einen weiteren El Niño zwischen Mai und Juli 2026.

Ökonomische Auswirkungen von El Niño

Die wirtschaftlichen Folgen dieser Wetterereignisse sind außerordentlich gravierend. Meteorologen und US-Forscher weisen darauf hin, dass die Kosten von El Niño mehrere Billionen Euro betragen können. Eine vor kurzem in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlichte Studie analysiert die direkten Verluste durch Wetterextreme wie Überschwemmungen und Dürren, die oft mit El Niño einhergehen.

El Niño hat nicht nur lokale, sondern auch globale Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum. In einkommensschwächeren Ländern, insbesondere in den Tropen, steigen die ökonomischen Verluste dramatisch an. Die fünf Jahre nach dem El Niño von 1982/1983 verursachten Schäden in Höhe von 4,1 Billionen Dollar (etwa 3,76 Billionen Euro), während die Kosten nach dem El Niño von 1997/1998 sogar bei 5,7 Billionen Dollar (5,23 Billionen Euro) lagen. Insgesamt wird für den Zeitraum von 2020 bis 2099 ein weltweiter wirtschaftlicher Verlust von 84 Billionen Dollar (77,1 Billionen Euro) prognostiziert.

Regionale Auswirkungen und Herausforderungen

Die regionalen Folgen sind insbesondere in Teilen Afrikas und Südamerikas verheerend, wo vermehrt Überschwemmungen erwartet werden. Im Gegensatz dazu bereiten sich Länder in Südostasien und Ostaustralien auf Dürreperioden und Waldbrände vor. Experten betonen, dass solche extremen Wetterereignisse die Ungleichheiten im Zusammenhang mit dem Klimawandel verstärken.

Für Österreich selbst werden die direkten Auswirkungen des El Niño als gering eingeschätzt. Dennoch sind auch hier Hitzerekorde, Gletscherschmelze und ansteigende Wettervolatilität zu erwarten. Historisch gesehen führte der El Niño 2015/16 zu einem der wärmsten Jahre in Österreich und brachte Frostschäden in der Landwirtschaft mit sich, was verdeutlicht, wie auch lokal betroffene Sektoren unter den Folgen leiden können.

Die bevorstehenden Beobachtungsdaten, insbesondere die Bestätigung des La-Niña-Endes im März/April 2026 und die Ersteinschätzung der El-Niño-Schwellenwerte im Mai/Juni 2026, werden für die bevorstehenden Monate entscheidend sein. Die Prognosen deuten auf einen Höhepunkt im Winter 2026/27 hin, was die Notwendigkeit von Investitionen in Wettervorhersage und Anpassung unterstreicht, um den wirtschaftlichen und menschlichen Folgen besser begegnen zu können.

In Anbetracht all dieser Aspekte wird deutlich, dass jeder, von Einzelpersonen bis hin zu Regierungen, sich auf die bevorstehenden Herausforderungen vorbereiten sollte. Die gegenwärtigen Entwicklungen in der Klima- und Wetterforschung sind nicht nur von wissenschaftlichem Interesse, sondern haben weitreichende gesellschaftliche und wirtschaftliche Konsequenzen.