
In Kärnten hat sich die Biberpopulation in den letzten Jahren dramatisch erhöht und liegt nun bei 1.480 Tieren, was einer Verdopplung entspricht. Diese Zunahme hat zu einem signifikanten Anstieg von Schäden geführt, die durch die Aktivitäten der Tiere verursacht werden. Der Landeshauptmannstellvertreter Martin Gruber (ÖVP) informierte über eine neue Verordnung, die am 26. März 2025 beschlossen wurde, um auf die Situation angemessen zu reagieren. Laut Informationen von Gailtal Journal entfällt der bisherige Stufenplan für das Biber-Management, und es wurden neue Maßnahmen ergriffen, um schnelle Eingriffe zu ermöglichen.
Mit der neuen Verordnung dürfen künftig 148 Biber pro Jahr gefangen oder geschossen werden, was eine erhebliche Erhöhung im Vergleich zu den bisherigen 66 Tieren darstellt. Gruber erklärte, dass die Maßnahmen nicht darauf abzielen, die Tiere auszurotten, sondern vor allem dazu dienen, Schäden zu reduzieren und die Ausbreitung der Biber zu verlangsamen. Angesichts einer jährlichen Zuwachsrate von 21 Prozent ist dies eine notwendige Maßnahme, um die Balance zwischen Tierschutz und wirtschaftlichen Interessen zu wahren.
Regelungen für Eingriffe und Entnahmen
Die neue Regelung erlaubt das Fangen und Töten von Bibern zwischen dem 1. September und dem 31. März, wenn Konflikte oder potenzielle Schäden auftreten. Besonders in der Nähe von Kraftwerken, Hochwasserschutzbauten, Wasserversorgungsanlagen und landwirtschaftlich genutzten Flächen sind Eingriffe gestattet. Bei Gefahr in Verzug können Maßnahmen auch zwischen April und August ergriffen werden. Nebendämme dürfen ganzjährig entfernt werden. Die Eingriffsberechtigung obliegt Grundeigentümern, Jagdausübungsberechtigten und Anlagenbetreibern, wie Salzburg 24 berichtet.
Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt ist die Steigerung der Unterstützungsleistungen für Biberschäden aus dem Wildschadensfonds, die von 8.500 Euro im Jahr 2020 auf 64.000 Euro im Jahr 2024 ansteigen sollen. Dies verdeutlicht die Dringlichkeit des Problems und die Notwendigkeit, betroffene Landwirte und Grundstückseigentümer finanziell zu entlasten.
Kritik von Naturschutzorganisationen
Die neue Biber-Verordnung stößt jedoch auf Kritik von Naturschutzorganisationen wie dem WWF. Diese warnen vor den möglichen rechtlichen Konsequenzen und weisen darauf hin, dass die Regierung möglicherweise gegen europäisches Recht verhält, indem sie die notwendigen Einzelfallprüfungen unterlässt. WWF-Expertin Sarah Layendecker betont die ökologischen Vorteile des Bibers und fordert einen ausgewogeneren Ansatz.National Geographic hebt zudem hervor, dass Biber eine wichtige Rolle im Ökosystem spielen, indem sie etwa Wasser zurückhalten und somit einen positiven Einfluss auf die Umwelt haben.
Die Situation rund um den Biber in Kärnten ist ein Beispiel für die Herausforderungen, die bei der Koexistenz von Wildtieren und menschlichen Aktivitäten auftreten können. Während der Biber als natürlicher Sanierer von Flüssen anerkannt wird, bleibt die Frage offen, wie ein angemessener Umgang mit der ansteigenden Population gestaltet werden kann, ohne die wirtschaftlichen Interessen der Menschen zu gefährden.
Ort des Geschehens
Details zur Meldung