Andrea Mattioli hat am 1. Dezember 2025 als Superintendentin der evangelischen Diözese Kärnten-Osttirol ihren Dienst angetreten. Sie ist die erste Frau in diesem leitenden Kirchenamt in der Region, was einen bedeutenden Schritt in der Geschichte der evangelischen Kirche darstellt. Im Interview beschreibt sie ihre Motivation für die Entscheidung, Pfarrerin zu werden, und thematisiert den Mitgliederschwund in der evangelischen Kirche sowie die Rolle der Religion in einer auseinanderdriftenden Gesellschaft. Die Informationen stammen aus einem Artikel von Dolomitenstadt.

Mattioli, die in Deutschland geboren wurde und italienische Wurzeln hat, lebt in Zlan, Kärnten. Ihr Werdegang in der Kirche begann mit der Urlaubsseelsorge in Kärnten im Jahr 2009/2010, die sie als bereichernd empfand und die sie dazu bewegte, länger zu bleiben. Diese Art der Seelsorge umfasst etwa drei Wochen in den Sommerferien, in denen sie Gottesdienste und Andachten hält. Der Umzug von Deutschland nach Österreich stellte sich als herausfordernd heraus, da die Systeme zur Anstellung von Pfarrern unterschiedlich sind. Für ihre Pensionszahlungen benötigte sie eine Zusage von der abgebenden Kirche in Deutschland.

Herausforderungen und Chancen in der Kirche

In Kärnten ist der evangelische Anteil in ihrer Gemeinde Zlan-Ferndorf mit fast zwei Dritteln relativ hoch, auch wenn die evangelische Kirche in Österreich insgesamt kleiner ist als in Deutschland, wo etwa 25 Prozent der Bevölkerung evangelisch sind. Mattioli fühlt sich in ihrer neuen Rolle als Superintendentin manchmal entwurzelt, da sie von der Gemeindearbeit auf eine höhere Ebene wechselt. Ihre Aufgaben umfassen die Versorgung der Gemeinden mit Pfarrern, die Verwaltung und Vernetzung sowie das Feiern von Gottesdiensten.

Bei ihrer Ernennung spielte die Frage des Geschlechts für Mattioli keine zentrale Rolle; viel mehr war es die Eignung der Person, die zählte. Dennoch ist ihr bewusst, dass Frauen in der Kirche häufig in unterstützenden Rollen wahrgenommen werden. Sie sieht die Notwendigkeit, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, was die evangelische Kirche als Herausforderung erkennt. Das Ansehen des Pfarramtes leidet unter verschiedenen Verfehlungen innerhalb der Kirche, was die Attraktivität des Berufs beeinträchtigt.

Der Mitgliederschwund und der Stellenwert der Religion

Der Mitgliederschwund in der evangelischen Kirche kommt zwar nicht in dem Maße vor wie in Deutschland, dennoch hinterfragen viele den persönlichen Nutzen ihrer Mitgliedschaft. In ihrer neuen verantwortungsvollen Position versucht Mattioli, einen Überblick über die Herausforderungen der Kirche zu gewinnen, insbesondere in Bezug auf Personal und Finanzen. Geld spielt eine wichtige Rolle, besonders für die Aufrechterhaltung von Gebäuden und für Personalfragen. In Osttirol sind die Evangelischen über ein großes Gebiet verteilt, aber es gibt dennoch engagierte Gemeinden.

Mattioli sieht die Rolle der Kirche darin, den Menschen Auszeiten und Begleitung in schwierigen Lebenssituationen zu bieten. Der Religionsunterricht ist für sie persönlich eine wertvolle Verbindung zur eigenen Glaubensrichtung, weshalb sie sich gegen einen neutralen Werteunterricht ausspricht. Für Mattioli ist der Glaube nicht nur eine Quelle der Kraft, sondern auch ein Ansporn und eine Freude, die sie an andere weitergeben möchte.

In einem breiteren Kontext zeigt die Entwicklung in der evangelischen Kirche von Kärnten-Osttirol, wie wichtig die Gleichstellung von Frauen in Führungspositionen ist. Dies wird auch durch die Regelungen des Führungspositionen-Gesetzes (FüPoG) in Deutschland unterstützt, das am 1. Mai 2015 in Kraft trat, um den Anteil von Frauen in Führungspositionen im privaten und öffentlichen Sektor zu erhöhen. Seitdem haben Maßnahmen wie Mindestquoten in Aufsichtsräten und bei der Besetzung von Leitungsorganen zu einem Anstieg des Frauenanteils geführt, wodurch die Grundlage für eine gerechtere Verteilung der Geschlechterrollen geschaffen wurde. Wie BMBF beschreibt, haben diese Regelungen bereits positive Effekte gezeigt, die auch auf andere Bereiche übertragen werden können.