Die 28-jährige Tara Meister aus Berlin wurde mit dem Kärntner Lyrikpreis ausgezeichnet. In einem Video hat sie ihr Dankeschön und ihre Ehre über diese Auszeichnung zum Ausdruck gebracht. Der Preis wird während der Tage der deutschsprachigen Literatur vergeben, und Meister wurde für ihren Text „Wakas­hu“ ausgezeichnet. Diese Nachricht wurde telefonisch von Juror Josef Winkler überbracht. Die Preise werden als Anerkennung für talentierte junge Autoren vergeben, wobei insgesamt 120 Texte von Autor:innen in Deutsch oder Slowenisch bewertet wurden. Für ihre Leistung erhält Meister ein Preisgeld von 5000 Euro, eine Trophäe der HTL Ferlach sowie eine Urkunde.

Die junge Autorin ist kein unbeschriebenes Blatt. Tara Meister hat bereits zahlreiche Auszeichnungen und Veröffentlichungen in Anthologien vorzuweisen. Zu ihren bisherigen Ehrungen gehören unter anderem der Dramatikerinnenpreis der studiobühne Villach und der Erostepost Literaturpreis. Im Jahr 2023 feierte sie mit ihrem ersten Theaterstück „fast Land“ Premiere und veröffentlichte ihre Textsammlung „geschafft, Sonne“. Ihr Debütroman „Proben“ erschien im Jahr 2024. Momentan ist sie als Stipendiatin am Literarischen Colloquium Berlin tätig.

Persönliche Hintergründe und Themen

Für Meister ist die Verbindung zu ihrer Heimat Kärnten von großer Bedeutung, da ihre Familie dort lebt. Bereits im Alter von 13 Jahren äußerte sie den Wunsch, sowohl Ärztin als auch Schriftstellerin zu werden. Heute plant sie, einen Arbeitsalltag in der Medizin zu schaffen, der ihr gleichzeitig Zeit zum Schreiben lässt. In ihren Texten behandelt die Autorin relevante und oft herausfordernde Themen wie Gewalt, Geschlecht, Chancenverteilung und Marginalisierung. Feministische Perspektiven prägen ihr Werk, und sie setzt sich intensiv mit Sprache und deren Möglichkeiten auseinander.

Die Dichterin bezeichnet sich selbst als „durchlässigen Menschen“, der stark auf seine Umwelt reagiert, und sieht das Schreiben als einen Prozess, der nicht den ökonomischen Logiken der heutigen Zeit folgt. Dabei glaubt sie an die Kraft der Literatur, die, obwohl sie nicht alles retten kann, eine wichtige Verantwortung im Erzählen trägt. Meister betont, dass es nötig ist, bewusste Bilder und Utopien in die Welt zu tragen, um auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen. Die Begegnungen im Krankenhaus, wo sie als Medizinische Fachangestellte tätig ist, bieten ihr eine Quelle der Inspiration und intensiven menschlichen Kontakt.

Preisverleihung und weitere Auszeichnungen

Die offizielle Preisverleihung des Kärntner Lyrikpreises wird am 4. Dezember um 18 Uhr im Klagenfurter Stadthaus stattfinden. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei, und insgesamt werden Preisgelder von rund 14.000 Euro vergeben. Zudem muss die Gewinnerin für fünf Jahre pausieren, bevor sie erneut für den Preis in Betracht gezogen werden kann. Der zweite Platz des Lyrikpreises ging an Erich Pacher, einen Klagenfurter Künstler und Tänzer, während Michael Stöckl, ein Psychologe aus Bleiburg, den dritten Platz belegte.

In einer breiteren Perspektive ist die Untersuchung von Literaturpreisen in deutschsprachigen Ländern von wissenschaftlichem Interesse. Das dazugehörige Projekt analysiert die Funktionen und Wirkungen dieser Preise auf das literarische Feld und untersucht, ob sie zur Diversifikation und Anerkennung neuer Genres beitragen. Die Preisverleihungen spielen eine wichtige Rolle in der Literaturpolitik und können als eine Art von Wertschätzung der Literatur innerhalb der gesellschaftlichen Werte interpretiert werden.