Alican Uludağ, ein Korrespondent der Deutschen Welle, wurde in Ankara festgenommen und befindet sich derzeit in Gewahrsam. Die türkische Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, den Präsidenten auf sozialen Netzwerken „beleidigt“ und „irreführende Informationen“ verbreitet zu haben. Die Vorwürfe beziehen sich auf einen Onlinebeitrag, den Uludağ vor etwa eineinhalb Jahren veröffentlicht hatte, in dem er kritisch über die Maßnahmen der türkischen Regierung zur Freilassung möglicher Kämpfer der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) Stellung nahm. Er warf der Regierung Korruption vor und äußerte Bedenken über die politischen Entscheidungen, die getroffen wurden, während die internationale Gemeinschaft auf die Situation in den Gefangenenlagern blickt, in denen Tausende mutmaßliche Jihadisten festgehalten werden.Kleine Zeitung berichtet, dass Uludağ am Donnerstagabend ins Präsidium der Istanbuler Provinzpolizei gebracht wurde und am Freitag dem Haftrichter vorgeführt werden soll.
Barbara Massing, die Intendantin der Deutschen Welle, kritisierte die Vorwürfe als haltlos und betonte Uludags Bedeutung als Investigativjournalist, der über Menschenrechtsverletzungen und Korruptionsfälle berichtet. Sie bezeichnete die Art und Weise seiner Festnahme als eine Einschüchterung und forderte seine umgehende Freilassung. Laut Massing ist die Festnahme ein Beispiel für die Unterdrückung der Pressefreiheit in der Türkei.Die Zeit hebt hervor, dass Uludağ gut vernetzt ist und in der Vergangenheit bereits mehrfach auf Missstände hingewiesen hat, was möglicherweise dazu geführt hat, dass die Regierenden verärgert reagierten.
Kontext der Festnahme
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) äußerte sich ebenfalls zu Uludags Festnahme und nannte sie Teil gerichtlicher Schikanen gegen seriöse Journalisten in der Türkei. RSF-Vertreter Erol Önderoglu erklärte, dass solche Maßnahmen oft gegen Journalisten ergriffen werden, die es wagen, die Regierung zu kritisieren. Die Türkei hat in der Vergangenheit wiederholt Journalisten festgenommen, darunter auch den deutschen Journalisten Deniz Yücel, der von 2017 bis 2018 inhaftiert war. Im Jänner war außerdem ein weiterer Journalist der Deutschen Welle in Niger festgenommen worden.Der Spiegel bietet zusätzliche Einblicke in die repressiven Maßnahmen, die in der Türkei gegen die Pressefreiheit ergriffen werden.
Die Situation in der Türkei wirft gravierende Fragen über die Meinungsfreiheit und den Schutz von Journalisten auf. In einem Klima, wo Kritik an der Regierung oft mit harten Konsequenzen beantwortet wird, bleibt abzuwarten, wie sich der Fall Uludağ weiterentwickeln wird.