Nach einer aktuellen Umfrage ist jede dritte Frau in der EU Opfer von Gewalt geworden, ein alarmierendes Ergebnis, das die Dringlichkeit einer verbesserten Prävention und rechtlichen Anpassungen eindrücklich aufzeigt. Laut den Berichten der Europäischen Agentur für Grundrechte (FRA) und des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (EIGE) ist Gewalt gegen Frauen eine weit verbreitete Menschenrechtsverletzung. Diese Ergebnisse basieren auf einer umfangreichen Umfrage, die zwischen September 2020 und März 2024 mehr als 114.000 Frauen in der EU befragte, in Kooperation mit Eurostat, FRA und EIGE. Besonders erschreckend ist, dass 30,7 Prozent der Befragten angaben, bereits Opfer von Gewalt oder einer Gewaltandrohung gewesen zu sein, wobei 17,7 Prozent körperliche Gewalt durch den Partner erlebten.
Die FRA-Direktorin Sirpa Rautio weist darauf hin, dass die Rechte der Frauen auf Würde, Sicherheit und Gleichstellung in vielen EU-Staaten massiv verletzt wurden. Der Bericht hebt hervor, dass die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen dringend angepasst werden müssen, um den realen Erfahrungen von Frauen gerecht zu werden. In vielen Fällen bleibt Gewalt unentdeckt und unbehandelt. In der EU zeigen nur 6,1 Prozent der Frauen, die von ihren Partnern misshandelt wurden, diese Taten an, während 11,3 Prozent bei Gewalttaten durch Nicht-Partner Anzeige erstatten. Gründe hierfür sind unter anderem Scham, Angst vor Vergeltung und der Glaube, dass die Polizei nicht helfen kann.
Psychische und wirtschaftliche Gewalt
Besonders auffällig ist, dass ein Drittel aller Frauen (30,7 Prozent) angibt, psychische Gewalt durch ihren Partner erfahren zu haben. In Österreich liegt dieser Wert sogar bei 36,9 Prozent. Diese Art von Gewalt wird oft als weniger gravierend wahrgenommen, hat jedoch langfristige negative Auswirkungen auf die Betroffenen. Darüber hinaus sind auch wirtschaftliche Gewalt und Cybergewalt in den letzten Jahren angestiegen. 8,5 Prozent der Frauen berichten von Online-Stalking, während 7 Prozent sexuelle Belästigung im Netz erfahren mussten.
Der Kontext dieser Gewalttaten zeigt signifikante Unterschiede innerhalb der EU. Während in Ländern wie Schweden die Vergewaltigungsrate mit fast 22 Prozent am höchsten ist, verzeichnet Bulgarien die niedrigste Rate von 2,3 Prozent. In Österreich haben 8,7 Prozent der Frauen angegeben, Opfer von Vergewaltigung geworden zu sein. Die Dunkelziffer bleibt vermutlich hoch, da viele Frauen sich nicht trauen, aus Scham oder Selbstvorwürfen über ihre Erfahrungen zu sprechen.
Rolle der Digitalisierung und zukünftige Maßnahmen
Die Digitalisierung hat die Dynamik von Gewalt verändert. Der Aufenthaltsort von jeder zehnten Frau wurde von ihrem Partner überwacht oder verfolgt. EIGE-Direktorin Carlien Scheele betont, dass es wichtig ist, Vertrauen in die Institutionen zu schaffen und präventive, opferzentrierte Dienste bereitzustellen. Der internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, der seit 1999 von den Vereinten Nationen begangen wird, setzt in diesem Jahr einen besonderen Fokus auf digitale Gewalt als neue Herausforderung. Diese Entwicklung zeigt, dass die Gefahren, die Frauen heute ausgesetzt sind, vielfältiger und komplexer geworden sind.
Insgesamt bleibt der dringende Handlungsbedarf bestehen, um den Schutz von Frauen zu gewährleisten und die gesellschaftlichen Strukturen zu verbessern, die Gewalt in jeglicher Form bekämpfen. Die Ergebnisse der Umfrage verdeutlichen, dass jede dritte Frau in der EU mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt erfahren hat, was eine anhaltende und besorgniserregende Realität darstellt. Weitere Informationen zur Thematik sind auf den entsprechenden Seiten von Eurostat und der EU-Agentur für Grundrechte zugänglich: Eurostat über geschlechtsspezifische Gewalt und Statista über Gewalt gegen Frauen in Europa.