Die japanische Premierministerin Sanae Takaichi hat heute eine signifikante Wende in der Finanzpolitik des Landes angekündigt. In einem Zeitraum, in dem Japan mit einer Staatsverschuldung von rund 240% des Bruttoinlandsprodukts kämpft, plant sie eine Abkehr von der bisherigen harten Sparpolitik. Takaichi setzt auf eine Erhöhung der Staatsausgaben, um private Investitionen zu fördern und die Wirtschaft anzukurbeln. Diese Reformen könnten als Antwort auf die Herausforderungen einer stagnierenden viertgrößten Volkswirtschaft der Welt interpretiert werden, die unter chronischen Unterinvestitionen leidet, wie vienna.at berichtet.
Während ihrer Amtszeit, die im Oktober 2025 begann, hat Takaichi auch die Märkte mit einem klaren Bekenntnis zu höheren Staatsausgaben verunsichert. So wird sie die Bevölkerung um Zustimmung für ihr wirtschaftliches Programm bitten, auch auf die Gefahr hin, ihre politische Karriere zu gefährden, wie NZZ hervorhebt. Ihre Partei, die Liberaldemokratische Partei (LDP), gewann am 8. Februar 2026 klar die Parlamentswahlen und konnte Direktmandate gewinnen, was ihr eine größere Mehrheit sichern könnte.
Strategien zur Ankurbelung der Wirtschaft
Takaichis Wirtschaftsprogramm umfasst mehrere Maßnahmen, darunter eine Ausweitung der Staatsausgaben um 105 Milliarden Franken und ein Haushaltsentwurf für das Fiskaljahr 2026 mit Ausgaben von 122,3 Billionen Yen. Zudem verspricht sie eine vorübergehende Abschaffung der Umsatzsteuer auf Lebensmittel für zwei Jahre, um die Lebenshaltungskosten zu entlasten. Diese Maßnahmen sind Teil ihres Plans, Japan in eine technologiegetriebene Nation zu verwandeln, indem sie sich auf 17 strategische Sektoren konzentriert, einschließlich der Rüstungsindustrie, bei der die Verteidigungsausgaben drastisch erhöht werden sollen. Ziel ist es, bis 2026 2% des BIP für Verteidigung auszugeben, was auch die geopolitische Sicherheit stärken soll, wie Tagesschau feststellt.
Auf dem Weg zur Umsetzung dieser Strategien wird Takaichi einen mehrjährigen Haushaltsplan verfolgen, um langfristige Investitionen zu fördern und den bisherigen Trend exzessiver Sparmaßnahmen zu brechen. Sie hat jedoch betont, dass keine rücksichtslose Fiskalpolitik betrieben werden soll, um das Vertrauen der Märkte nicht zu gefährden. Diese Form der proaktiven Finanzpolitik tritt in einem Umfeld auf, in dem die Finanzmärkte bereits nervös auf steigende Anleiherenditen reagiert haben und der Yen gegenüber dem Dollar wert verloren hat.
Ökonomen äußern sich kritisch zu Takaichis Ansatz und warnen vor den Risiken ihrer politischen Strategie. Das anhaltend hohe Staatsdefizit könnte die Stabilität der Finanzmärkte gefährden. Zudem wird die Frage gestellt, ob ihre Maßnahmen ausreichen, um die Produktivität zu steigern und die Wirtschaft nachhaltig zu stärken. Letztlich sieht die Zukunft der japanischen Wirtschaftspolitik weiterhin ungewiss aus, insbesondere nach dem Verbrauch des angekündigten Konjunkturpakets, das ursprünglich zur Stützung der schwächelnden Wirtschaft entworfen wurde.