Der Islamische Staat (IS) hat in einer überraschenden Audiobotschaft Mitglieder zum Kampf gegen die neue syrische Regierung aufgerufen. Der IS-Sprecher, Abu Husaifa al-Ansari, äußerte sich zum ersten Mal seit zwei Jahren, um die Anhänger zu mobilisieren. Er fordert die IS-Männer in Syrien auf, die säkulare Regierung unter dem neuen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa und die nationale Armee zu bekämpfen. Diese Rhetorik ist alarmierend, da die Organisation zwar militärisch als besiegt gilt, aber dennoch weiterhin eine ernstzunehmende Bedrohung für die fragile Stabilität in Syrien darstellt, wie oe24 berichtet.
Die Situation in Syrien hat sich seit dem Sturz von Bashar al-Assad durch die islamistische HTS-Miliz im Dezember 2024 deutlich verändert. Die HTS, ein ehemaliger syrischer Zweig von Al-Kaida, hat sich von ihrem Mutternetzwerk lossagen können, was die Dynamik im Land weiter kompliziert. Ahmed al-Scharaa gibt sich vorerst moderat. Unterdessen trat Syrien im vergangenen Jahr der US-geführten Anti-IS-Koalition bei, um die verbliebenen IS-Kämpfer zu bekämpfen, die sich in Wüstengebiete in Irak und Syrien zurückgezogen haben.
Angriffe und Gegenmaßnahmen
Jüngst kam es zu einem tödlichen Anschlag in Palmyra, bei dem zwei US-Soldaten und ein Übersetzer getötet wurden. Der Schütze, ein Mitglied der syrischen Sicherheitskräfte, war bereits wegen islamistischer Überzeugungen verdächtigt und befand sich im Rahmen eines laufenden Verfahrens zur Entlassung aus den Sicherheitskräften. Diese Attacke verdeutlicht die anhaltende Gefahr durch den IS und seine sympathisierenden Elemente in den syrischen Sicherheitsstrukturen. Zeit berichtet, dass drei Verdächtige festgenommen wurden, die mutmaßlich in den Anschlag verwickelt waren.
Als Reaktion auf diesen Vorfall starteten die syrische Armee und die US-geführte Koalition einen großangelegten Einsatz, der darauf abzielt, IS-Schläferzellen in der syrischen Wüste aufzuspüren. Diese Operation könnte entscheidend sein, um den Einfluss des IS zu verringern und die Sicherheit für die neue Regierung zu erhöhen. Zudem wurden im Rahmen der Vergeltungsmaßnahmen mehr als 70 IS-Ziele von amerikanischen Streitkräften angegriffen, was einen weiteren Schritt in der fortlaufenden Bekämpfung der Extremisten markiert, wie Tagesschau berichtet.
Die Risikolage in Syrien
Die Sicherheitslage bleibt angespannt, insbesondere nachdem die vergangenen Ereignisse gezeigt haben, dass der IS weiterhin aktiv ist und sogar in den Rang der bedrohten Regierungsinstitutionen aufsteigt. Der US-Angriff war eine direkte Reaktion auf die tödliche Attacke und verdeutlicht die fragilen Verhältnisse in dem Land. Über 5700 IS-Gefangene wurden bereits in irakische Gefängnisse überstellt, was die potenzielle Gefährdung durch diese Gruppen nochmals unterstreicht.
Die Herausforderungen, vor denen die syrische Übergangsregierung steht, sind erheblich. Internationale Anerkennung und die Aufrechterhaltung stabiler Beziehungen zu Ländern wie den USA sind für die künftige Sicherheit und den politischen Erfolg des neuen Regimes unerlässlich. Bente Scheller, eine Nahost-Expertin, hebt die Notwendigkeit hervor, eine breite Allianz gegen den IS zu bilden, um die institutionellen Strukturen der Übergangsregierung zu festigen und die territoriale Integrität Syriens zu wahren.