Ein neues europäisches Forschungsprojekt mit dem Namen „FishME“ hat alarmierende Ergebnisse über die Auswirkungen menschlich eingebrachener Fischarten in alpinen Seen präsentiert. In den untersuchten Gewässern in Österreich, Italien und Frankreich wurde in mehr als der Hälfte der 101 analysierten Seen festgestellt, dass sie von Menschen eingesetzte Fische beherbergen. Diese Gewässer, viele davon in geschützten Gebieten, waren ursprünglich fischfrei und haben sich über Jahrhunderte hinweg entwickelt. Die Eingriffe in die Fischpopulationen reichen bis ins Spätmittelalter zurück, als Fische aus wirtschaftlichen Gründen, beispielsweise auf Anweisung von Kaiser Maximilian I. durch Mönche, in Tiroler Hochgebirgsseen angesiedelt wurden.

Der Limnologe Ruben Sommaruga, Teil des Projekts, warnt vor den gravierenden ökologischen Konsequenzen dieser Eingriffe. Insbesondere natürliche Nahrungsnetze sind betroffen, was nicht nur die Fischpopulationen, sondern auch Vögel, Amphibien und Reptilien, die auf diese Nahrungsquellen angewiesen sind, negativ beeinflusst. In jüngerer Zeit setzen touristische Aktivitäten und Sportfischerei weiterhin Fische in alpinen Gewässern aus, was die Problematik weiter verschärft. Die Forscher fordern mehr Bewusstsein für die Situation.

Gefährdung der Ökosysteme

Insgesamt wurden in 54 der analysierten Gewässer invasive Arten gefunden, die die einheimischen Fischarten verdrängen. Besonders gravierend ist die Situation im Gossenköllesee, wo rund 500 Exemplare atlantischer Forellen (Salmo trutta) leben, die eine Überlebensgeschichte von mehr als einem Jahrhundert aufweisen. Die Forscher kritisieren, dass viele Menschen sich nicht darüber bewusst sind, dass Fische in Hochgebirgsseen nicht heimisch sind. Eine Umfrage im Rahmen des Projekts zeigt, dass 332 Befragte Fischbesatz als positive Maßnahme betrachten, was auf eine weit verbreitete Unkenntnis hinweist.

Ein weiterer besorgniserregender Aspekt ist die Auswirkungen des Fischbesatzes auf die einheimischen Arten und das Nahrungsangebot. Besonders die Elritzen (Phoxinus phoxinus) stellen ein Problem dar, da sie große Mengen an tierischem Plankton fressen. Dies führt zu einem Ungleichgewicht im Ökosystem. Die Forscher betonen, dass Mangelernährung in diesen nährstoffarmen Seen bei den Fischen beobachtet wird, was teilweise zu deformierten Exemplaren führt.

Langfristige Auswirkungen

Zusätzlich berichtete das Projekt über die invasive Quagga-Muschel im Bodensee, deren Ausbreitung in tieferen Gewässern aufgrund der kälteren Temperaturen langsamer voranschreitet. Dennoch wird keine Entwarnung gegeben, da diese invasive Muschel langfristig auch in tieferen Zonen des Seenökosystems Fuß fassen könnte.

Die starke Fischereilobby in Österreich erschwert zudem Maßnahmen zur Bekämpfung des Problems. Experten heben hervor, dass es des Wissens und des Willens zur Entfernung der nicht heimischen Fischarten bedarf, um die langfristigen negativen Folgen auf die alpine Ökologie zu minimieren. Ohne Adressierung dieser Problematiken besteht die Gefahr, dass Hochgebirgsseen ihre Funktion als wichtige Warnsysteme für das ökologische Gleichgewicht verlieren.

Die Notwendigkeit, verstärkt auf die gravierenden Auswirkungen invasiver Arten hinzuweisen und Maßnahmen zur Erhaltung der alpinen Ökosysteme zu ergreifen, könnte nicht dringlicher sein. Die Zeit zum Handeln, bevor unirreparable Schäden entstehen, drängt.

Für weitere Informationen lesen Sie die vollständigen Berichte von exxpress.at, ORF und Kurier.