Bernd Hinteregger hat sich als neuer Chef des SPÖ-Wirtschaftsverbands (SWV) positioniert und fordert die größte Reform der Wirtschaftskammer (WKO) aller Zeiten. Der 50-jährige ehemalige Hotelsanierer und Selbstunternehmer hat klare Visionen für die Zukunft der WKO, insbesondere nachdem sein Vorgänger Harald Mahrer zurückgetreten ist. Laut vienna.at bezeichnet Hinteregger den Rücktritt als Wendepunkt und sieht die Notwendigkeit einer strukturellen Modernisierung der WKO.
Zu den Reformen, die Hinteregger plant, gehören die Deckelung der Kammerumlagen sowie die Modernisierung des Wahlrechts. Diese Schritte sind darauf ausgelegt, Vertrauen zurückzugewinnen und echten Mehrwert für die Unternehmer zu bieten. Die geplanten Veränderungen sollen sicherstellen, dass das SWV bis 2030 wieder zur zweitstärksten Kraft innerhalb der WKO wird. Hinteregger ist überzeugt, dass die Sozialpartnerschaft, trotz der bestehenden Turbulenzen, nicht überlebt hat.
Konkretisierte Reformvorschläge
Die anstehenden Reformen beinhalten spezifische Vorschläge, die am 27. November im Wirtschaftsparlament erörtert werden sollen. Hierzu zählen:
- Finanzielle Entlastung kleiner Unternehmen
- Deckelung der Umlagen auf 49 Euro in den ersten zwei Jahren und 99 Euro danach
- Modernisierung des Wahlrechts mit digitaler Stimmabgabe und automatischer Wahlkarten-Zusendung
Die aktuelle Wahlbeteiligung 2025 betrug lediglich 26,5 Prozent, was die Dringlichkeit dieser Reformen unterstreicht. Hinteregger, der vier Tourismusbetriebe besitzt, drei davon selbst betreibt, ist bekannt aus der Start-up-TV-Show „2 Minuten – 2 Millionen“. Sein politisches Vorbild ist Hannes Androsch, zudem hat er eine kritische Haltung zu Themen wie Arbeitszeitverkürzungen und „Teilzeit-Bashing“.
Forderungen und Standpunkte
Die Debatten innerhalb der WKO, die zur Zeit unter dem Druck von Gehaltsforderungen für Kammerbeschäftigte leiden, bieten Hinteregger die Möglichkeit, für klare Strukturen und Transparenz einzutreten. Geplant sind Maßnahmen, die darauf abzielen, die Lohnnebenkosten zu senken, wobei Hinteregger jedoch betont, dass es einer Gegenfinanzierung bedarf. Darüber hinaus zeigt er sich kritisch gegenüber einer Vermögensteuer, erhebt jedoch die Forderung, Erbschaftssteuern für spezielle Fonds zweckgebunden werden zu können.
In Anbetracht der Herausforderungen für die Wirtschaft betonen auch andere Führungspersönlichkeiten der Branche, wie Timo Springer von der Kärntner Industriellenvereinigung, die Notwendigkeit, dass die WKO mit gutem Beispiel vorangehen sollte, da sie sich aus Pflichtbeiträgen finanziert. Die jüngsten Diskussionen wurden als „schonungslos“ bezeichnet, was zeigt, dass die WKO in einer Transformation steckt, die Hinteregger zu leiten gedenkt, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.
Die Sozialpartnerschaft hat in Österreich eine umfassende Bedeutung, und die Entscheidungsträger stehen vor der Aufgabe, die verschiedenen Interessen der Mitglieder zu integrieren. Laut parlament.gv.at sind die sozialen Partner dazu aufgerufen, frühzeitig in den Gesetzwerdungsprozess einzugreifen und ihre Stimme laut und klar zu erheben. Der Beirat für Wirtschafts- und Sozialfragen arbeitet weiterhin an Strategien, die für die kommenden Herausforderungen der WKO von Bedeutung sein werden. Während die Verhandlungen fortschreiten, bleibt abzuwarten, wie Hinteregger seine Reformvorhaben umsetzen wird.