Wolfgang Hattmannsdorfer, der Wirtschafts- und Energieminister, gab in einem Interview bei LEADERSNET.tv Einblicke in die aktuelle Konjunkturentwicklung und notwendige Reformen. Hattmannsdorfer beleuchtet die Herausforderungen, vor denen die Bauwirtschaft steht, und hebt die zentrale Rolle dieser Branche für den Wirtschaftsstandort Österreich hervor. Ende Februar fand die Hausbau Tagung 2026 im Wiener Stephansdom statt, was als Zeichen für das wachsende Interesse an Immobilien zu deuten ist. Ein Drittel der Österreicher plant, eine Immobilie zu erwerben oder zu sanieren, was Hattmannsdorfer als positives Signal der Zuversicht wertet.

Der Minister plädiert für weniger staatliche Eingriffe und schnellere Genehmigungen von Energiewendeprojekten sowie großen Infrastrukturvorhaben. „Wir brauchen schnellere Genehmigungsverfahren, insbesondere bei der Gewerbeordnung und dem Anlagenrecht“, so Hattmannsdorfer. Zur Bekämpfung der Inflation und zur Förderung des Wirtschaftswachstums hat die Bundesregierung Maßnahmen zur Senkung der Energiekosten ergriffen. Zudem stellt Hattmannsdorfer die Notwendigkeit einer Modernisierung und Attraktivität von Lehrberufen heraus, um den Fachkräftebedarf zu decken und einen Imagewandel zu bewirken.

Digitalisierung als Schlüssel zur Zukunft

Eine der großen Herausforderungen für die Bauwirtschaft besteht in der Implementierung digitaler Technologien. Laut einer Untersuchung von PwC wächst der Druck auf Unternehmen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. 70 Prozent der Unternehmen erwarten, dass sich durch Krisen neue Geschäftsfelder entwickeln, wobei 60 Prozent eine Neuausrichtung ihres Geschäfts planen. Trotz des erkannten Potenzials der Digitalisierung, wie IoT- und BIM-Lösungen, klafft eine erhebliche Lücke zwischen den theoretischen Möglichkeiten und den tatsächlichen Fähigkeiten der Unternehmen.

Insbesondere im Bereich Building Information Modeling (BIM) sind in den letzten Jahren keine signifikanten Fortschritte erkennbar. Die Digitalisierung verändert Arbeitsprozesse im Lebenszyklus von Bauwerken und führt zu Effizienzsteigerungen durch die Automatisierung von Teilprozessen mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI). Ein effizienter und verantwortungsvoller Umgang mit Daten ist entscheidend für die Transformation des Bauwesens, um Herausforderungen wie die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, die Erreichung der Klimaziele und die Fachkräftesicherung in der Branche zu meistern.

Offene Schnittstellen und Standards

Die Digitalisierung im Bauwesen wird maßgeblich unterstützt durch das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. Dieses setzt sich für offene Schnittstellen und Standards ein, um eine kollaborative digitale Zusammenarbeit zu ermöglichen. BIM bildet das Fundament für den Austausch digitaler grafischer und alphanumerischer Daten, was den gesamten Planungs- und Genehmigungsprozess effizienter gestalten soll.

Die vollständige Ende-zu-Ende-Digitalisierung dieser Prozesse ist hierbei unerlässlich. Nur so können die bestehenden Herausforderungen bewältigt und die Potenziale der Digitalisierung im Bauwesen vollumfänglich ausgeschöpft werden. Die Bundesregierung unternimmt daher gezielte Schritte zur Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung, was auch entscheidend für die Digitale Transformation im Baubereich ist.