Martin Nowak, ein renommierter Biomathematiker aus Österreich, wurde von der Harvard-Universität beurlaubt, wie vienna.at berichtet. Diese Maßnahme resultiert aus seine Verbindungen zu Jeffrey Epstein, einem verurteilten Sexualstraftäter. Nowak war nicht nur in persönlichem Kontakt mit Epstein, sondern profitierte auch beträchtlich von dessen finanzieller Unterstützung für seine Forschung. Epstein hatte ihm großzügig 6,5 Millionen US-Dollar gespendet, die zur Gründung des Programms für Evolutionäre Dynamik (PED) an Harvard verwendet wurden. Insgesamt flossen mehr als 9 Millionen US-Dollar an die Universität, wobei Epstein von 2010 bis 2018 über 40 Mal das PED-Gebäude besuchte.
Neuere Informationen, die durch die vom US-Justizministerium veröffentlichten Epstein-Akten ans Licht kamen, zeigen, dass Nowak in diesen Akten über 7.000 Mal erwähnt wird. Insbesondere wurde er als Begünstigter von 5 Millionen US-Dollar in Epsteins Testament genannt, was vor dessen Tod geschah. Auch eine E-Mail-Korrespondenz zwischen Nowak und Epstein weckt aufmerksame Nachfragen, da sie problematische Inhalte aufweist, darunter eine Nachricht von Nowak, die sich auf eine „gefangene Spionin“ bezieht, und Epsteins fragwürdigem Kommentar: „Hast du sie gefoltert?“ timesofindia.com hebt hervor, dass solche Nachrichten nicht nur die Natur ihrer Beziehung offenbaren, sondern auch die Notwendigkeit einer sorgfältigen Untersuchung zur Folge haben.
Interne Untersuchung und Vergangenheit
Aufgrund dieser neuen Enthüllungen kündigte die Fakultätsleitung von Harvard eine formelle interne Untersuchung an, um mögliche Verstöße gegen die Universitätsstandards zu prüfen. Dies ist nicht das erste Mal, dass Nowak ins Kreuzfeuer gerät: Bereits 2020 wurde er vorübergehend beurlaubt, nachdem mögliche Unzulänglichkeiten in Bezug auf seine Kontakte zu Epstein aufgedeckt wurden. Diese Sanktionen wurden jedoch 2023 aufgehoben, was zeigt, dass die Universität in der Vergangenheit unterschiedliche Ansätze zur Handhabung des Skandals gewählt hat.
Obwohl vonseiten der Behörden bisher keine Straftatsanschuldigungen gegen Nowak erhoben wurden, wird der Druck auf die Universität und ihre Fakultät steigen, um die Geschehnisse im Zusammenhang mit Epstein vollständig aufzuklären. Harvard ist aufgrund des Epstein-Skandals bereits in die Schlagzeilen geraten. So hat der ehemalige Präsident der Universität, Larry Summers, die Entscheidung getroffen, seine Professur aufzugeben, nachdem E-Mails zwischen ihm und Epstein bekannt wurden, die abfällige Bemerkungen über Frauen enthielten.
Der Fall von Martin Nowak ist nicht isoliert. Auch andere prominente Persönlichkeiten, die mit Epstein in Verbindung standen, sind ins Gerede gekommen. Der Ex-norwegische Außenminister Börge Brende trat von seinem Posten beim Weltwirtschaftsforum zurück, nachdem Fragen zu seinen Verbindungen zu Epstein aufgetaucht waren. Obgleich er angibt, keine Kenntnis von Epsteins kriminellen Aktivitäten gehabt zu haben, herrscht ein generelles Misstrauen gegenüber den Verflechtungen, die Epstein mit einflussreichen Persönlichkeiten hatte, wie beispielsweise Bill und Hillary Clinton, die beide jegliches Fehlverhalten bestreiten.
Nowak selbst hat betont, dass er die Verbrechen von Epstein verabscheut und erklärt hat, die finanzielle Unterstützung für seine Forschung sei bereits vor seiner Vertretung an Harvard erfolgt. Er bedauert, diese angenommen zu haben, und hebt hervor, dass er keine persönliche Beziehung zu den von Epstein vorgestellten Personen pflegte. Umso größer ist die Herausforderung für ihn und die Universität, eine klare Distanz zu diesem Skandal zu wahren und das Vertrauen der akademischen Gemeinschaft zurückzugewinnen, wie orf.at feststellt.