Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) und sein italienischer Amtskollege Matteo Salvini (Lega) trafen am Donnerstag in Rom zusammen, um über die anhaltenden Probleme des Brennertransits und die Tiroler Transitmaßnahmen zu diskutieren. Das Treffen fand in einem „freundschaftlichen und konstruktiven Klima“ statt, was die Bereitschaft beider Seiten zeigt, die Angelegenheiten auf politischer und technischer Ebene weiter zu besprechen. Dies berichtet vienna.at.
Ein zentrales Thema war die Klage Italiens, die im Juli 2024 beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) gegen Österreich eingereicht wurde. Italien macht geltend, dass Tiroler Anti-Transitmaßnahmen, wie sektorale Fahrverbote und Blockabfertigungen, gegen den Grundsatz des freien Warenverkehrs in der EU verstoßen. Hanke und Salvini einigten sich darauf, die Gespräche fortzusetzen und Hanke lud Salvini zu einem Besuch in Wien ein.
Rechtliche Auseinandersetzungen und politische Reaktionen
Die mündliche Verhandlung des verhängten Verfahrens vor dem EuGH ist für den 21. April in Luxemburg angesetzt. Ein Urteil wird voraussichtlich im Herbst 2026 oder Anfang 2027 erwartet. Zudem beschloss Italien am 16. Oktober, die Europäische Kommission zu beauftragen, ein EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich einzuleiten, um auf die Verletzung des freien Warenverkehrs hinzuweisen. Dies geht aus einem Bericht von trans.info hervor.
Die Tiroler Verordnungen, mit denen Nachtfahrverbote, Winterfahrverbote und Rationierungen für Schwerlastfahrzeuge in Kraft gesetzt wurden, wurden als Einschränkungen des freien Warenverkehrs bezeichnet. Verkehrsminister Salvini betonte die historische Bedeutung der Klage und den Wunsch, mit der „österreichischen Arroganz“ Schluss zu machen. Die EU-Kommission hatte im Mai den Weg für die Klage Italiens freigemacht, erkannte jedoch in einigen Bereichen die Argumente Österreichs an und stellte fest, dass die umgesetzten Maßnahmen nicht vollständig gerechtfertigt sind.
Die Rolle von Unternehmen und Behörden
Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) begrüßt die italienische Initiative und appelliert an die Bundesregierung, eine klare Position einzunehmen. In der Vergangenheit gab es zahlreiche vergebliche politische Versuche, eine Lösung für die Transitproblematik zu finden, dennoch könnten diese Entwicklungen neue Gespräche anstoßen. Zudem stellt der BGL fest, dass die österreichischen Transitbeschränkungen möglicherweise nicht nur gegen EU-Recht verstoßen, sondern auch nicht im besten Interesse der europäischen Speditionen sind.
Die Situation ist komplex und erfordert nachhaltige Lösungen. Vor diesem Hintergrund erwähnte Hanke einen Geschenkeaustausch während des Treffens, bei dem er Salvini eine Sachertorte überreichte und dieser ein Modell einer Rodelbahn für die bevorstehenden Olympischen Winterspiele in Cortina zurückgab. Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der Hanke nach Rom begleitete, äußerte die Hoffnung auf eine positive Lösung und betonte das Verständnis für die Maßnahmen Österreichs. Diese Äußerungen könnten eine Basis für künftige Verhandlungen bieten, die sowohl die österreichischen Interessen als auch die der italienischen Seite berücksichtigen sollen.