Experten haben bei einem Symposium an der Sigmund Freud PrivatUniversität in Wien über die Auswirkungen der Handynutzung auf die psychische Gesundheit von Jugendlichen diskutiert. Insbesondere AHS-Schüler stehen im Fokus der Diskussion, da vermehrt auf problematische Nutzungsverhalten hingewiesen wird. exxpress.at berichtet, dass eine aktuelle Studie zeigt, dass etwa vier Prozent der Jugendlichen in Österreich als „handy-süchtig“ gelten.
Die Zahlen zur Verbreitung von Mobiltelefonen lassen aufhorchen. Während 2007 das erste Smartphone von Steve Jobs vorgestellt wurde, stieg die Anzahl weltweit von zwei Milliarden im Jahr 2017 auf etwa sieben Milliarden im Jahr 2022. Diese schnelle Verbreitung hat Folgen: Erwachsene verbringen im Schnitt viereinhalb Stunden täglich am Handy und schauen bis zu 100 Mal pro Tag darauf.
Positive Effekte des Handy-Fastens
Der Ärztliche Direktor des Anton Proksch Instituts, Roland Mader, erklärte auf dem Symposium, dass das „Handy-Fasten“ über drei Wochen eine signifikant bessere Auswirkung auf die psychische Gesundheit zeige als zwei Wochen Schulferien. In einem Versuch in Gänserndorf, der auf ganz Österreich ausgeweitet werden soll, berichteten 30 Prozent der Teilnehmer von einer Steigerung ihres psychischen Wohlbefindens, während depressive Symptome bei 30 Prozent reduziert wurden. Besonders bemerkenswert ist, dass 25 Prozent der Teilnehmenden ihre Bildschirmzeit nachhaltig verringern konnten.
Eine Studie hat auch gezeigt, dass 14 Tage ohne soziale Medien die Zufriedenheit mit dem eigenen Körperbild der Jugendlichen steigern kann. Daher empfehlen Experten, dass Kinder Smartphones erst ab einem Alter von etwa 13 Jahren erhalten sollten. Dennoch zeigt eine internationale Studie der WHO, dass 11 Prozent der Jugendlichen Anzeichen eines problematischen Verhaltens in Bezug auf soziale Medien zeigen. Besonders betroffen sind Mädchen, von denen 13 Prozent problematische Nutzung aufweisen.
Gesellschaftliche Herausforderungen
Ebenfalls alarmierend ist die festgestellte Korrelation zwischen Handynutzung vor dem Schlafengehen und Einschlafproblemen. Nur 20 Prozent der Jugendlichen, die keine digitalen Geräte nutzen, berichten von Schlafschwierigkeiten, während dies bei 41 Prozent der aktiven Nutzer der Fall ist. Zudem belasten Mobbing über soziale Medien und idealisierte Darstellungen das Selbstbild vieler Jugendlicher stark.
Dr. Hans Henri P. Kluge von der WHO hebt hervor, dass ein offener Dialog über digitales Wohlbefinden sowohl in Familien als auch in Schulen notwendig ist, um das Bewusstsein und die Medienkompetenz zu fördern. Interventionen sollten dabei altersgerecht und geschlechtersensibel gestaltet sein, da beispielsweise Jungen häufiger digitale Spiele nutzen und eher problematische Verhaltensmuster entwickeln.
In vielen Familien – nur 18 Prozent haben bereits Regeln für den Handy-Gebrauch etabliert – sollten Erwachsene zusammen mit den Jugendlichen an einem verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Geräten arbeiten. Die positive Wirkung einer bewussten Mediennutzung auf die persönlichen Beziehungen und die Fähigkeit, die reale Welt neu zu entdecken, kann nicht unterschätzt werden.