Ab Mitte 2027 wird es für Studierende und Auszubildende aus der Europäischen Union wieder möglich sein, am Erasmus+-Programm in Großbritannien teilzunehmen. Dies wurde nach jahrelangen Verhandlungen und der Rückkehr Großbritanniens in das Programm, das nach dem Brexit 2020 ausgesetzt wurde, bekanntgegeben. Bildungseinrichtungen und Studierende sollten sich bereits jetzt auf die kommenden Austauschmöglichkeiten vorbereiten, um von den neuen Kooperationen profitieren zu können. Dies berichtet vienna.at.
Während des Brexit-Prozesses war Großbritannien eine beliebte Erasmus-Destination. Im Hochschulbereich belegte das Land von 2014 bis 2020 den dritten Platz unter den Zielländern für Erasmus-Studierende. Vor dem Brexit zogen jährlich rund 30.000 europäische Studierende nach Großbritannien. Nach dem Brexit jedoch verlagerten sich die Austauschaktivitäten in den Schulbereich hauptsächlich nach Irland, was zu einem Überangebot an Austauschplätzen in diesem Land führte. Im Hochschulbereich blieben die Verlagerungen aufgrund alternativer englischsprachiger Programme in anderen Ländern moderater.
Wiederaufbau der Kooperationen
Um die erhofften Austauschprogramme wieder umzusetzen, müssen neue Kontakte und Kooperationen aufgebaut werden, insbesondere im Schulbereich. Der Österreichische Austauschdienst (OeAD) plant, dass die ersten Erasmus-Semester in Großbritannien im Herbst 2027 eingeläutet werden. Praktika in britischen Unternehmen sollen möglicherweise sogar schon im Sommer 2027 realisierbar sein. Österreichische Schulen können im Schuljahr 2027/2028 auf die britischen Kooperationspartner zurückgreifen, was die Zahl der angestrebten Auslandsaufenthalte auf rund 2.000 erhöht, was dem Höchststand von 2017 entspricht, wie tagesschau.de berichtet.
Die Rückkehr Großbritanniens in das Erasmus-Programm wurde als „Durchbruch“ angesehen und von hochrangigen politischen Vertretern als wesentlicher Gewinn für junge Menschen beschrieben. Nick Thomas-Symonds, Staatssekretär für EU-Beziehungen, betont die Bedeutung dieser Vereinbarung, während EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den gemeinsamen Austausch und Freundschaften hervorhebt. Diese neue Zusammenarbeit wird auch im Kontext der verbesserten Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU unter dem britischen Premierminister Keir Starmer gesehen, der seit seiner Wahl 2024 für nähere Verbindungen zur EU plädiert, wie zeit.de anmerkt.
Finanzierung und Ausblick
Für das erste akademische Jahr nach der Rückkehr in das Erasmus-Programm haben Großbritannien und die EU eine Finanzierung von 570 Millionen Pfund (über 648 Millionen Euro) vereinbart. Die genauen Beitragskosten für die Folgejahre müssen jedoch noch ausgehandelt werden. Dies ist ein wichtiger Schritt für eine nachhaltige und erfolgreiche Teilnahme Großbritanniens am Programm, das seit seiner Einführung im Jahr 1987 mehr als 18 Millionen Menschen die Möglichkeit gab, Auslandsaufenthalte zu absolvieren.
Die Rückkehr ins Erasmus-Programm könnte nicht nur den Studierenden zugutekommen, sondern auch den britischen Universitäten, die bislang viele internationale Studierende verloren haben und nun wieder eine attraktive Option bieten. Mit der neu geschaffenen Agentur zur Abwicklung des Programms und den notwendigen Voraussetzungen wird der Wiederaufbau der Beziehungen sicherlich eine spannende Zeit für alle Beteiligten darstellen.