Frauen in Österreich verdienen immer noch rund 11,5 Prozent weniger als Männer, was bedeutet, dass sie jährlich etwa 42 Tage „gratis“ arbeiten. Diese alarmierenden Zahlen wurden vom Netzwerk „Business and Professional Women Austria“ (BPW) zum bevorstehenden Equal Pay Day am 11. Februar bekannt gegeben. Eine positive Entwicklung zeigt sich dennoch: Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Einkommenslücke von 12,2 auf 11,5 Prozent verringert. Dies könnte jedoch lange dauern, um die volle Gleichstellung zu erreichen, denn bei gleichbleibender Entwicklung wird prognostiziert, dass Frauen erst im Jahr 2043 gleich viel wie Männer verdienen werden.

Das jährliche Medianeinkommen von Frauen stieg 2024 von 47.154 Euro auf 51.261 Euro brutto, während das Medianeinkommen der Männer von 53.694 Euro auf 57.955 Euro brutto angewachsen ist. Besonders besorgniserregend ist die regionale Ungleichheit: In Vorarlberg beträgt der Gehaltsunterschied 20,1 Prozent, während er in Wien nur 4,2 Prozent ausmacht. Laut einer weiteren Berechnung der Arbeiterkammer Oberösterreich steht ein zweiter Equal Pay Day am 5. November 2024 an.

Ungerechte Bepreisung und gesellschaftliche Herausforderungen

Die Arbeiterkammer hat zudem die Einkommenslücke auf 15,5 Prozent oder 10.542 Euro brutto jährlich erhöht. Im Jahr 2024 arbeiteten Frauen rund 57 Tage „gratis“, was eine Verbesserung um drei Tage im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Insgesamt wurde das durchschnittliche Vollzeiteinkommen der Frauen um 8,1 Prozentpunkte erhöht, während es bei Männern um 7,2 Prozentpunkte anstieg. Interessanterweise arbeiten nun mehr Frauen (plus 0,7 Prozentpunkte) in Vollzeit, während die Vollzeitquote bei Männern zurückgegangen ist.

Doch es gibt Einschränkungen: Die Werte zum Equal Pay Day sind nicht repräsentativ für die gesamte Bevölkerung. Ungleiche Bezahlungen in Berufen wie bei Lehrlingen, Saisonkräften und Teilzeitbeschäftigten werden nicht erfasst. Experten fordern daher einen Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen sowie gerechte Modelle für das Kinderbetreuungsgeld, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern. Zudem muss die EU-Lohntransparenzrichtlinie bis Juni in nationales Recht umgesetzt werden.

Gender Pay Gap im Detail

Der Gender Pay Gap, der hier betrachtet wird, zeigt sich als ein Durchschnittswert und variiert je nach Einkommensverteilung, Beschäftigungssektoren und Anforderungsniveau. Laut bundesstiftung-gleichstellung.de beträgt der Gender Pay Gap etwa 20,9 Prozent bei hohem Anforderungsniveau, 16,1 Prozent bei mittlerem und 9,9 Prozent bei niedrigem Anforderungsniveau. Hierbei liegt die Differenz der Bruttostundenlöhne zwischen männlichen und weiblichen Fachkräften bei rund 6,5 Prozent.

Die Mechanismen hinter diesen Einkommensunterschieden variieren je nach Tätigkeitsfeld. Bei hochqualifizierten Berufen könnte der erhebliche Gap auf Barrieren hinweisen, die Frauen von Führungspositionen abhalten, während im Niedriglohnsektor Frauen Schwierigkeiten haben, aufzusteigen. Daher ist es notwendig, politische Lösungen zu entwickeln, die gezielt auf die unterschiedlichen Ursachen der Ungleichheit eingehen.

Die Herausforderungen der Gendergleichheit in der Arbeitswelt sind also vielfältig und erfordern umfassende Reformen, um endlich Gleichstellung und Fairness zu erreichen. Laut vienna.at ist es an der Zeit, dass Frauen und Männer die gleichen Chancen im beruflichen Leben erhalten – unabhängig von Geschlecht oder Herkunft.