Gisèle Pelicot, eine 73-jährige Französin, stellte ihr Buch „Eine Hymne an das Leben“ am 25. Februar 2026 in der Hamburger Laeiszhalle vor. Pelicot, eine prominente Stimme im Kampf gegen sexualisierte Gewalt, hat in ihrem Leben tiefgreifende Missbrauchserfahrungen gemacht. Über fast zehn Jahre wurde sie von ihrem damaligen Ehemann nicht nur körperlich gemacht, sondern auch mit starken Medikamenten betäubt. Dieser Missbrauch wurde erst ans Licht gebracht, als das Haus des Paares wegen einer anderen Straftat des Ex-Mannes durchsucht wurde. In einem Interview führte Pelicot aus, dass ihre Geschichte und die damit verbundenen traumatischen Erlebnisse in ihrem Buch thematisiert werden, das anderen Betroffenen Mut machen soll, über ihre Erfahrungen zu sprechen.

Im Rahmen des Buchvortrags betonte Pelicot, dass sie nie bereut habe, den Prozess öffentlich zu führen, und dass ihr diese Entscheidung geholfen habe, sich weniger allein zu fühlen. Ihr Ex-Mann wurde 2024 zu 20 Jahren Haft verurteilt, und 50 weitere Männer, die wegen schwerer Vergewaltigung angeklagt waren, erhielten Haftstrafen zwischen drei und 15 Jahren. Alle Angeklagten wurden schließlich schuldig gesprochen, was Pelicot als großen Erfolg wertet. Sie erfuhr während des Verfahrens viel Unterstützung, die ihr Kraft gab, um sich den Tätern zu stellen.

Der Mut, die Öffentlichkeit zu suchen

Die Veranstaltung in Hamburg wurde von der Journalistin Sandra Kegel von der „FAZ“ moderiert, während die Schauspielerin Maria Furtwängler Passagen aus Pelicots Buch vorlas. Das Publikum reagierte mit starkem Applaus und spendete stehende Ovationen, als Pelicot das letzte Kapitel ihres Buches in französischer Sprache las. Diese emotionale Zuspruchsgeste zeigt, wie sehr ihre Geschichte berührt und inspiriert.

Pelicot hob hervor, dass der Umgang mit sexueller Gewalt und Missbrauch ein Thema von zentraler Bedeutung in der Gesellschaft bleiben muss. Im Gespräch mit dem ZDF äußerte sie, dass der Begriff „Vergewaltigung“ von vielen Angeklagten während des Verfahrens vermieden wurde, was ihrer Meinung nach auf die mangelnde Sensibilisierung für diese Thematik hinweist. Sie ist überzeugt, dass der Prozess das Bewusstsein in der Gesellschaft geschärft hat, und ermutigt Frauen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und sich nicht für ihre Opferrolle zu schämen.

Der rechtliche Rahmen zum Schutz von Opfern

In diesem Kontext ist zu beachten, dass internationale Verträge und nationale Gesetze ausgearbeitet wurden, um Kinder und Jugendliche vor sexueller Gewalt zu schützen. Diese Regelungen sollen im Idealfall verhindern, dass solche Taten geschehen, sie bieten jedoch auch Unterstützung und Entschädigung für Betroffene nach einer Tat. Um den Schutz von Opfern zu gewährleisten, spielen spezielle Vorschriften eine Rolle, insbesondere im familiären Kontext. Betroffene haben häufig Anspruch auf Entschädigung, die zivilrechtlich direkt vom Täter oder über das Soziale Entschädigungsrecht vom Staat geltend gemacht werden kann beauftragte-missbrauch.de.

Pelicots Buch und ihre öffentliche Ansprache zeigen, wie wichtig es ist, dass solche Geschichten Gehör finden und wie durch das Teilen von Erfahrungen nicht nur Aufklärung betrieben, sondern auch andere zur Stimme gebracht werden können. Im Jahr 2025 wurde Gisèle Pelicot vom US-Magazin „Time“ zur Frau des Jahres ernannt, was die internationale Anerkennung ihres Engagements und ihrer Mut macht.