In den letzten Wochen wurden weltweit Rückrufe von Babynahrung ausgeweitet, nachdem in mehreren Produkten das Toxin Cereulid entdeckt wurde. Diese Verunreinigung kann vor allem bei Kleinkindern zu schweren gesundheitlichen Problemen führen, unter anderem zu Durchfall und Erbrechen. Laut einem Bericht des ECDC und der EFSA sind auch in Österreich Fälle aufgetreten, bei denen Babys betroffen sind. Ein Säugling wurde mit Cereulid kontaminiert, während zwei weitere Kinder Produkte aus zurückgerufenen Chargen konsumierten. Das vierte Kind hatte Babynahrung aus einer nicht zurückgerufenen Charge zu sich genommen. Eines der Kinder musste sogar im Krankenhaus behandelt werden, während drei andere mittlerweile genesen sind. Die Symptome traten zwischen dem 26. Jänner und dem 6. Februar auf.
Die NGO Foodwatch hat die Kommunikation der Behörden scharf kritisiert, da sie Meldungen von rund 200 Eltern über ähnliche Symptome bei ihren Kindern erhalten hat. Die EU-Behörden bezeichnen die Vergiftungsgefahr für Kleinkinder inzwischen jedoch als größtenteils gebannt. Dennoch zeigen Berichte aus mindestens sieben europäischen Ländern, dass viele Kinder erkrankt sind. Französische Behörden untersuchen zudem den Tod von drei Säuglingen, die möglicherweise mit den zurückgerufenen Chargen in Verbindung stehen. Obwohl das Gesundheitsministerium in Paris angibt, dass keine Schuld wissenschaftlich nachgewiesen wurde, laufen strafrechtliche Ermittlungen.
Umfang der Rückrufe und betroffene Produkte
Die Rückrufe betreffen Produkte der Marken Nestlé, Danone und Lactalis und umfassen über 60 Länder weltweit, seit sie im Dezember begonnen wurden. Laut WDR ist eine unbekannte Anzahl von Produkten betroffen, darunter Babynahrung von Aptamil und Milumil, die sowohl in Deutschland als auch in Österreich im Handel erhältlich sind. Danone hat Eltern geraten, die betroffenen Produkte nicht weiterzugeben und sie zurückzugeben. Diese Rückrufe wurden nach der Einschaltung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ausgeweitet. Besonders besorgniserregend ist, dass erstmalig in Chargen mit Arachidonsäureöl Cereulid festgestellt wurde.
Für die Hersteller stellt sich das Problem, dass es keinen festgelegten Richtwert für zulässige Cereulid-Mengen in Babynahrung gibt. Die EFSA hat jedoch eine Tageshöchstdosis von 0,014 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht vorgeschlagen, wobei viele Danone-Produkte offenbar über diesem Wert liegen. Die betroffenen Produkte stammen aus 120 verschiedenen Chargen, und eine Identifikation ist anhand des Mindesthaltbarkeitsdatums möglich. Eltern können ihre Produkte auf den Webseiten von Aptamil und Milupa überprüfen.
Reaktionen der Hersteller und Gesundheitsbehörden
Nestlé hatte den Rückruf am 5. Jänner 2026 über Pressemitteilung und Warnportale bekannt gegeben. Berichten zufolge wusste das Unternehmen jedoch bereits Anfang Dezember 2025 von der Kontamination, informierte jedoch zunächst nur den Handel. In Frankreich ermittelt die Justiz wegen der Todesfälle zweier Kinder, die die betroffenen Produkte konsumiert hatten. Nestlé hat erklärt, dass sie keine medizinische Bestätigung für Krankheitsfälle im Zusammenhang mit den zurückgerufenen Produkten erhalten haben.
Die belgische Gesundheitsbehörde berichtete am 11. Februar 2026 von mehreren Fällen, in denen Babys und Kleinkinder nach dem Verzehr von Nestlé-Produkten Symptome aufwiesen. Fünf Kinder zeigten leichte Symptome, was die anfängliche Aussage von Nestlé infrage stellt. Auch Danone warnte am 30. Jänner 2026 vor verschiedenen Aptamil-Produkten, das Unternehmen hatte zunächst jedoch lediglich den Handel informiert, ohne dass Eltern sofort von der Kontamination erfuhren.
Mit diesen Rückrufen ist die Sicherheit der Babynahrung in vielen Ländern in Frage gestellt. Eltern werden umso mehr aufgefordert, bei Gesundheitsbedenken umgehend einen Kinderarzt zu konsultieren. Die Situation bleibt angespannt, während weitere Untersuchungen zu den Ursachen der Verunreinigung, möglicherweise bedingt durch eine Charge aus China, bevorstehen.
Weitere Informationen zu den Rückrufen und den betroffenen Produkten sind auf den Seiten von Exxpress und VZHH verfügbar.