Ghanas Präsident John Dramani Mahama hat angekündigt, eine Resolution bei den Vereinten Nationen einzubringen, die den Sklavenhandel als „schwerstes Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ einstufen soll. Diese Absicht äußerte Mahama am Sonntag nach einem Gipfeltreffen der Afrikanischen Union (AU) in Addis Abeba. Geplant ist, die Resolution im kommenden März den UN-Mitgliedstaaten während der Generalversammlung vorzulegen. Die Erklärung legt besonderen Fokus auf die rassistische Versklavung von Afrikanerinnen und Afrikanern sowie den transatlantischen Sklavenhandel und sieht in ihrer Anerkennung einen wichtigen Schritt zur historischen Aufarbeitung, auch wenn Mahama betont, dass die Verabschiedung die Geschichte nicht wiedergutmachen könne.

Mahama hebt hervor, dass es dabei nicht nur um finanzielle Entschädigungen geht, sondern auch um die umfassende Aufarbeitung des Unrechts. Ghana, das 1957 als erstes afrikanisches Land die Unabhängigkeit von Kolonialmächten erlangte, bleibt damit im Gespräch über Reparationszahlungen und die Anerkennung der Verbrechen des Sklavenhandels aktiv. 2023 hatte sein Vorgänger, Nana Akufo-Addo, ebenfalls Reparationszahlungen gefordert, was eine wachsende Debatte über die Wiedergutmachung und die Aufarbeitung des transatlantischen Sklavenhandels auslöste.

Wachsende globale Debatte über Reparationen

Die Diskussion über die Aufarbeitung des transatlantischen Sklavenhandels und potenzielle Reparationszahlungen hat in den letzten Jahren weltweit zugenommen. Während eines UN-Forums im April 2023 forderten Vertreter afrikanischer Abstammung zusätzliche Mittel für Wiedergutmachung. Akufo-Addo unterstrich vor den Vereinten Nationen, dass kein Geldbetrag die Schrecken des Sklavenhandels wettmachen könne und forderte Europa sowie die USA dazu auf, den Zusammenhang zwischen ihrem Reichtum und der Ausbeutung Afrikas anzuerkennen.

Eine gemeinsame Erklärung der EU und Celac aus dem Jahr 2022 erkannte den Sklavenhandel offiziell als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ an. Auch in Großbritannien haben Nachfahren von Sklavenhändlern eigene Initiativen zur Wiedergutmachung gestartet, während in den USA Kalifornien im Jahr 2020 eine „Reparation Task Force“ ins Leben rief, die von Zahlungen in Höhe von bis zu 800 Milliarden US-Dollar an Nachkommen versklavter Afroamerikaner empfiehlt.

Der transatlantische Sklavenhandel und sein Erbe

Der transatlantische Sklavenhandel dauerte mehr als 350 Jahre und führte dazu, dass schätzungsweise 10 bis 12 Millionen Afrikaner lebend in Amerika ankamen. Dabei wurden viele von ihnen unter katastrophalen Bedingungen transportiert. Nur jeder vierte Sklave überlebte die grausamen Umstände der Gefangennahme und Überfahrt, in denen sie oftmals angekettet und auf engstem Raum gestapelt wurden. Medizinische Unterversorgung und Hunger führten dazu, dass viele Sklaven während der Reise starben. Die Überlebenden sahen sich danach einem ungewissen Schicksal auf Plantagen in der Karibik, in Virginia oder South Carolina gegenüber.

Die Lebensbedingungen für Sklaven variierten stark je nach Region, Zeit und Besitzer. Während einige Sklavenhandel als besonders grausam galt, bot die Plantagensklaverei auch eine organisierte Arbeitsstruktur, die auf Gewalt basierte. Historische Analysen zeigen, dass der transatlantische Sklavenhandel nicht isoliert, sondern in einem komplexen Geflecht mit den invasiven Praktiken afrikanischer Herrscher stand, die Sklaven gegen Waffen und andere Waren eintauschten.

Heute wirkt das Trauma dieser Deportationen und die Zerschlagung sozialer Strukturen noch in Afrika nach, was die gesellschaftlichen und demografischen Folgen bis heute prägt. Das Bewusstsein um die dunkle Vergangenheit und die Themen Reparationen und Aufarbeitung sind zentral in den politischen Diskussionen, die sowohl in Afrika als auch in den kolonialen Erbenstaaten stattfinden.

In einem sich wandelnden politischen Klima ist die Resolution von Ghana ein weiterer Schritt in einer langen Reihe von Bemühungen zur Anerkennung und Aufarbeitung der historischen Ungerechtigkeiten, die den transatlantischen Sklavenhandel und die Kolonialzeit prägten. Die globalen Debatten über Wiedergutmachung und gesellschaftliche Gerechtigkeit werden sicherlich weiter andauern.

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