Am 24. November 2025 wird der internationale Tag zur Eliminierung von Gewalt gegen Frauen eingeläutet, während der die gravierenden psychischen Folgen von gewaltsamen Übergriffen auf Frauen in den Vordergrund rücken. Der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) unterstreicht im Rahmen der Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“, die jährlich vom 25. November bis 10. Dezember stattfindet, die anhaltende Problematik. Gewalt gegen Frauen stellt nicht nur ein schwerwiegendes gesellschaftliches Problem dar, sondern wird auch als Ausdruck von Machtmissbrauch und patriarchalen Strukturen verstanden.

In den vergangenen Jahren sind die Zahlen über Gewaltdelikte gegen Frauen und Mädchen, die aufgrund ihres Geschlechts auftreten, besorgniserregend angestiegen. Viele Frauen sehen sich verbalen Übergriffen, psychischen Angriffen und körperlichen Verletzungen ausgesetzt. Besonders erschreckend ist die Erhebung, dass bis November 2025 in Österreich bereits 14 Frauen ermordet wurden, weil sie Frauen waren; dazu kommen 32 Überlebende von Mordversuchen oder schweren Gewaltakten.

Historische Perspektive und gegenwärtige Herausforderungen

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Gleichberechtigung in Österreich erst seit 1918 besteht. Bis 1975 galt häusliche Gewalt nicht als Scheidungsgrund, was die gesellschaftliche Akzeptanz von Misshandlungen innerhalb der Ehe widerspiegelt. In dieser Zeit wurde das Thema häusliche Gewalt oft als „Privatsache“ betrachtet. Das erste Frauenhaus in Wien, welches 1978 von der Frauenbewegung initiiert wurde, stellte einen ersten Schritt zur Unterstützung betroffener Frauen dar. Erst 1989 wurde Vergewaltigung in der Ehe strafbar.

Zudem bescheinigen internationale Vergleiche, dass in Ländern, in denen Gleichstellung aktiv gelebt wird, die Toleranz gegenüber Gewalt signifikant sinkt. In skandinavischen Ländern wird Gewaltprävention bereits in Schulen gelehrt, wie zum Beispiel in Schweden, wo seit 2015 Lehrpläne zu sexueller Integrität und Gleichstellung integriert sind.

Psychische Auswirkungen und notwendige Prävention

Psychische Gewalt, die emotionale Kontrolle und soziale Isolation beinhaltet, hinterlässt ebenso tiefgehende seelische Narben. Frauen entwickeln etwa doppelt so häufig Depressionen wie Männer, was deutlich macht, wie stark Gewaltangriffe auf Frauen die psychische Gesundheit beeinträchtigen können. Auch Kinder, die in einem Umfeld mit häuslicher Gewalt aufwachsen, sind psychisch stark betroffen.

Der BÖP fordert daher eine tiefgreifende psychologische Prävention sowie eine Sensibilisierung für Geschlechterrollen bereits im Kindes- und Jugendalter. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass Medien verantwortungsvoll mit der Darstellung von Beziehungen und Körperbildern umgehen. Darüber hinaus soll Gewaltprävention ein fester Bestandteil im Regierungsprogramm 2025-2029 der österreichischen Bundesregierung werden.

Gesellschaftliches Handeln und Verantwortung

Die enge Vernetzung zwischen Polizei, Gesundheitsdiensten und Sozialarbeitern, wie sie in Nordeuropa praktiziert wird, könnte auch in Österreich zur Verbesserung der Situation beitragen. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes unterstreicht in ihrem Leitfaden zur sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz die Notwendigkeit, sowohl Beschäftigte als auch Arbeitgeber für das Thema zu sensibilisieren. Ein gesellschaftliches Umdenken ist erforderlich, um ein gewaltfreies Umfeld für Frauen zu schaffen.

Insgesamt ist eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung gefordert, um den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen. Die Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ kann dazu beitragen, das Bewusstsein zu schärfen und präventive Maßnahmen zu ergreifen. Dabei ist es wichtig, nicht nur auf aktuelle Zahlen zu schauen, sondern auch das gesellschaftliche Bild von Geschlechterrollen zu hinterfragen und zu ändern.

Für weitere Informationen zu diesem kritischen Thema bieten die Bundeszentrale für politische Bildung, die Bundesstiftung Gleichstellung und die OTS zahlreiche Materialien und Hilfsangebote an.