Die Integration von Gender-Inhalten in technische Studiengänge wird zunehmend zur Norm an österreichischen Universitäten. Ein Student berichtet über seine Erfahrungen im Rahmen von technischen Bachelorstudiengängen, die sich mit der strukturellen Verankerung von Gender-Themen befassen. Untersuchungen zeigen, dass insbesondere die Johannes Kepler Universität (JKU) Linz Gender-Inhalte als grundlegendes Prinzip in ihrer Universitätsorganisation integriert hat. Dies geht so weit, dass in der Satzung der JKU festgelegt ist, dass Gender Studies fester Bestandteil von Studien sein müssen, einschließlich der Vorgabe, dass Bachelorstudiengänge mindestens eine Lehrveranstaltung im Umfang von 3 ECTS zu Gender Studies umfassen müssen, um einen Teil der Curricula darzustellen.
Im Bachelorstudium „Artificial Intelligence“ an der JKU etwa wird im Modul „AI and Society“ auf Gender Studies eingegangen. Darüber hinaus verpflichtet sich die JKU zum Gender Mainstreaming, das bedeutet, dass die Geschlechterperspektive systematisch in Entscheidungsprozesse einbezogen wird. Zudem sind Entscheidungsträger an der JKU dazu angehalten, regelmäßig Schulungen zu diesen Themen zu absolvieren. Auch die Technische Universität Wien (TU Wien) folgt diesem Trend und integriert Gender-Inhalte in ihre technischen Studiengänge. So müssen beispielsweise im Bachelor Maschinenbau 9 ECTS aus dem Bereich „Transferable Skills“ stammen, zu denen auch genderrelevante Themen gezählt werden.
Vielfalt der Gender-Inhalte
Der Kurs „Technik für Menschen“ an der TU Wien behandelt ethische Aspekte und Genderfragen, und die Universität hat zusätzliche Maßnahmen getroffen, um gendergerechte Sprache in der Lehre zu fördern. Die Verwendung des generischen Maskulinums ist nicht mehr zulässig, um ein männerzentriertes Weltbild zu vermeiden. Im Gegensatz dazu bietet die TU Graz Gender-Inhalte in ihren Curricula an, allerdings sind diese nicht verpflichtend für die Studierenden. An der TU Graz können Studierende Gender-Inhalte absolvieren, sind dabei jedoch nicht dazu verpflichtet.
Die variierende Ausprägung der Gender-Themen zeigt sich auch in anderen Institutionen. Die Universität Wien hat beispielsweise einen eigenen Masterstudiengang in Gender Studies etabliert, der sich mit Geschlechterverhältnissen und Diversitätspolitik auseinandersetzt. Laut Angaben von gender-curricula.com vermittelt der Bachelorstudiengang Grundlagen für die Analyse von Geschlecht und Geschlechterverhältnissen, während der Masterstudiengang die Methoden- und Theoriekenntnisse vertieft.
Interdisziplinärer Ansatz
Diese Studiengänge sind oft transdisziplinär angelegt und verknüpfen verschiedene Fachrichtungen, um ein vertieftes Verständnis der Komplexität von Gender in historischen und aktuellen Kontexten zu ermöglichen. Ziel ist, Absolventen zu qualifizieren, Geschlechterverhältnisse und -stereotypen in diversen professionellen Feldern zu analysieren. Die Themenbereiche sind vielfältig und reichen von sozialen Ungleichheiten über Medienwissenschaften bis hin zu Gender Mainstreaming und Diversity.
Die Möglichkeit eines Auslandssemesters an Partneruniversitäten ist ein weiterer Bestandteil vieler dieser Programme. Hierdurch erhalten Studierende die Chance, transnationale historische Perspektiven und Geschlechterverhältnisse in europäischen Gesellschaften zu erforschen.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Gender-Themen sich zunehmend in den technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen etablieren, wobei die Ausgestaltung und der Umfang dieser Inhalte je nach Universität variieren können. Während einige Institutionen feste Vorgaben haben, bleibt es an anderen Studierenden überlassen, ob sie sich mit diesen Themen auseinandersetzen möchten.





