Am 27. Jänner 2026 wird weltweit der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. An diesem Tag gedenkt auch der Nationalrat in Österreich der über eine Million Menschen, die im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ermordet wurden. Die Gedenkveranstaltung im Parlament richtete sich sowohl an Schülerinnen und Schüler als auch an geladene Gäste. In den Reden wurde eindringlich vor neuem Antisemitismus gewarnt, der sich erneut in der Gesellschaft bemerkbar macht, wie vienna.at berichtet.

EU-Kommissar für Inneres und Migration, Magnus Brunner von der ÖVP, hob in seiner Ansprache die Bedeutung der jüdischen Kultur für die europäische Geschichte hervor. Er betonte, dass es unabdingbar sei, diese Kultur zu schützen. Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) sprach mit Oskar Deutsch, dem Präsidenten der Israelitischen Religionsgesellschaft und der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, über die Notwendigkeit des gemeinsamen Gedenkens und die Bekämpfung des Antisemitismus.

Erinnerung an vergangene Gräueltaten

Die Parteien erinnerten unisono an den Jahrestag der Befreiung von Auschwitz und die systematische Ermordung von mehr als sechs Millionen Jüdinnen und Juden zwischen 1933 und 1945. SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler forderte eine Verpflichtung zur Bewahrung von Demokratie und Menschenrechten. Auch die NEOS-Parteivorsitzende Beate Meinl-Reisinger mahnte zur Erinnerung an die vielfältigen Opfergruppen, die der Holocaust forderte, darunter auch Sinti und Roma, Zeugen Jehovas sowie Menschen sexueller Minderheiten.

Herbert Kickl, der Bundesparteiobmann der FPÖ, erinnerte ebenfalls an die Opfer des NS-Regimes und betonte die Notwendigkeit des Einstehens für Freiheit und Menschenwürde. Lukas Hammer, der gedenkpolitische Sprecher der Grünen, warnte vor der Wiederholung solcher Verbrechen. Es wurde auch auf die paradoxe Rolle der FPÖ hinsichtlich des Antisemitismus hingewiesen, was zu regem Austausch in der Debatte führte.

Aktuelle Trends im Antisemitismus

Neben den Gedenkveranstaltungen macht ein aktueller Bericht des Soziologen Marc Neugröschel am London Centre for the Study of Contemporary Antisemitism auf die Zunahme und Verbreitung von Antisemitismus aufmerksam. Neugröschel führt aus, dass Diskriminierung von Jüdinnen und Juden im Alltag ansteigt und sich auch in akademischen Kreisen äußert, wo jüdische Wissenschaftler oft von Konferenzen ausgeschlossen oder öffentlich angefeindet werden. Es herrscht ein stabiler Antisemitismus, der sich in Gewalt und Diskriminierung äußert, wie swr.de berichtet.

In Anbetracht dieser alarmierenden Entwicklungen unterstreichen die Redner des Gedenktags die Notwendigkeit, die Erinnerungskultur aufrechtzuerhalten und aktiv gegen Ausgrenzung sowie Hass einzutreten. Die Bundesregierung Deutschlands greift dieses Thema auf, indem sie Initiativen unterstützt, die sich mit der Aufarbeitung und dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus befassen, darunter auch das Holocaust-Mahnmal in Berlin. Bundeskanzler Friedrich Merz wird an einer entsprechenden Gedenkstunde im Bundestag teilnehmen, bei der die Holocaust-Überlebende Tova Friedman als Rednerin auftreten wird.

Die Erinnerung an den Holocaust soll auch dazu dienen, die Gefahren von Ausgrenzung und Entmenschlichung aufzuzeigen. Die Unantastbarkeit der Menschenwürde ist im Grundgesetz verankert und muss stets verteidigt werden, um zu verhindern, dass sich die Gräueltaten der Vergangenheit wiederholen.