Am 8. März 2026 hat Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) in der ORF-„Pressestunde“ die bevorstehenden Maßnahmen zur Stärkung der Frauenpolitik vorgestellt. Trotz einer angespannten Budgetsituation kündigte sie an, dass Kürzungen im Frauenbereich ausgeschlossen sind. Holzleitner setzt sich für eine Erhöhung der Mittel für Frauengesundheit und Reformen bei Lohntransparenz sowie Gewaltschutz ein. Besonders hervorzuheben ist der Fokus auf Gendermedizin, für die 8,4 Millionen Euro in eine neue klinische Forschungsgruppe fließen werden. Diese Gruppe soll geschlechterspezifische Unterschiede in Diagnostik und Therapie untersuchen und letztendlich die Versorgung von Patientinnen verbessern sowie Forschungsergebnisse schneller in den klinischen Alltag integrieren.
„Es ist entscheidend, dass wir Frauenberatungsstellen unterstützen und verstärkt in den Bildungsbereich investieren“, so Holzleitner. Ihre Forderungen sind klar: Österreich hinkt im europäischen Vergleich in mehreren Bereichen der Gleichstellung hinterher. Zudem kritisierte sie die mangelnde Unterstützung für frauenpolitische Anliegen innerhalb ihrer eigenen Partei. Matthias Babler, der kürzlich mit 81,51 Prozent als Parteichef bestätigt wurde, bleibt vorerst an der Spitze der SPÖ. Holzleitner plädiert für eine stärkere inhaltliche Ausrichtung der Partei, insbesondere angesichts der unzufriedenstellenden Umfragewerte.
Schritte für Geschlechtergerechtigkeit
Die Ministerin plant, bis zum Sommer einen Vorschlag zur Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie zu präsentieren, da Österreich bisher säumig bei der Umsetzung ist. Zudem wird der Nationale Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen überarbeitet. In diesem Zusammenhang wird eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich unter anderem mit der Überwachung potenzieller Täter durch elektronische Fußfesseln beschäftigen wird. Ein langfristiges Ziel ist die gerechtere Aufteilung der Karenz zwischen Müttern und Vätern, inspiriert vom skandinavischen Modell, das die Einbindung qualitativ hochwertiger Kinderbetreuung voraussetzt.
Die Notwendigkeit geschlechtssensibler Medizin wird auch von aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen untermauert. Studien, wie in der Bundesstiftung Gleichstellung dokumentiert, zeigen, dass Diskriminierungsrisiken im Gesundheitswesen bestehen und Handlungsbedarf in der Antidiskriminierungsforschung besteht. Forschungen zu geschlechtssensibler Medizin, beispielsweise von Bartig et al. (2021) und Becher & Oertelt-Prigione (2022), verdeutlichen, wie wichtig es ist, geschlechterspezifische Unterschiede in der medizinischen Versorgung zu berücksichtigen.
Holzleitner betont die Dringlichkeit dieser Maßnahmen, da sie für eine faire und gerechte Behandlung aller Geschlechter sorgt. Die neuen Initiativen bieten die Möglichkeit, die Gesundheitsversorgung für Frauen erheblich zu verbessern und ein Gleichgewicht in der Gesellschaft zu fördern, sowohl im Gesundheitsbereich als auch in der politischen Landschaft.