Eine aktuelle Studie der Medizinischen Universität Innsbruck zeigt besorgniserregende Unterschiede in der Reanimationsqualität zwischen Frauen und Männern. Forscher fanden heraus, dass Ersthelfer:innen bei Wiederbelebungsmaßnahmen an weiblichen Puppen deutlich schlechtere Ergebnisse erzielen als an männlichen. exxpress.at berichtet, dass die durchschnittliche Punktzahl bei der Herzdruckmassage bei einer männlichen Puppe bei 80,4 Punkten liegt, während die Wertung für die weibliche Puppe nur 70,5 Punkte (von 100) beträgt.

Die Studie umfasste 164 Teilnehmer:innen, die unter der Leitung des Instituts für Diversität in der Medizin die Erste-Hilfe-Maßnahmen an beiden Puppentypen durchführten. Auffällig war, dass auch erfahrene Teilnehmer:innen – wie etwa Menschen mit einer Sanitäterausbildung – beim Umgang mit der weiblichen Puppe schwächere Leistungen zeigten. Hier lag die durchschnittliche Punktzahl bei 87,2 Punkten für die männliche und 74,6 Punkte für die weibliche Puppe.i-med.ac.at

Ängste und Unsicherheiten beeinträchtigen die Wiederbelebung

Die Ergebnisse der Untersuchung verweisen auch auf eine tieferliegende Problematik: Frauen haben gemäß verschiedenen internationalen Studien eine 14 Prozent geringere Chance, im öffentlichen Raum wiederbelebt zu werden. Gründe hierfür sind Ängste vor fälschlichen Anschuldigungen eines sexuellen Übergriffs und Bedenken hinsichtlich möglicher Verletzungen. idw-online.de unterstreicht, dass häufig die Symptome von Frauen nicht ernst genommen werden, was zu einer weiteren Verschlechterung der Überlebenschancen führt.

Ein wesentlicher Faktor, der zu dieser Diskrepanz beiträgt, ist der Umgang mit dem BH der weiblichen Puppen. Die Unsicherheiten beim Freilegen der Brust haben auch laut den Ergebnissen dieser Studie einen negativen Einfluss auf die Qualität der Reanimation. Das medizinische Personal wird darauf hingewiesen, dass es keinen medizinischen Unterschied zwischen der Reanimation von Männern und Frauen gibt – die Druckpunkte und die Position der Defibrillator-Elektroden sind identisch.

Handlungsbedarf in der Ausbildung

Im Zuge dieser Erkenntnisse haben die Medizinische Universität Innsbruck, das Rote Kreuz Tirol sowie Land und Stadt Innsbruck Maßnahmen angekündigt, um die Ausbildung zu verbessern. Dies umfasst die Anschaffung diverser Ideen von Übungspuppen, um das Training geschlechtersensibler zu gestalten und Qualität sowie Vertrauen bei der Reanimation von Frauen zu erhöhen. Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele weist auf den dringenden Handlungsbedarf in der Medizin hin, um die gleichen Überlebenschancen für Frauen zu gewährleisten. Vizebürgermeisterin Elisabeth Mayr hebt ebenfalls die Bedeutung der Gleichstellung in der Gesundheitsversorgung hervor.

Mit diesen Initiativen soll langfristig das Ziel erreicht werden, die Überlebenschancen von Frauen in Notfallsituationen signifikant zu erhöhen und die Hemmschwellen bei der Reanimation zu senken.